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Symbolfoto: Das AIT ist Österreichs größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung

Gewinne ermöglichen Rekordinvestitionen in europäisch kompetitive Forschungsinfrastruktur

28.06.2022
 

Das AIT Austrian Institute of Technology weist für das Bilanzjahr 2021 ein hervorragendes Ergebnis aus. Die Betriebsleistung ist um 6,5 % auf 171,79 Mio. EUR gestiegen, das Ergebnis vor Steuern liegt bei 5,83 Mio. EUR (2020: 2,73 Mio. EURO). Der steigende Umsatz ist gepaart mit einem Wachstum des Auftragsstands im Ausmaß von 2 % auf 193,0 Mio. EUR.

„Der Gewinn fließt in den weiteren Ausbau der Forschungsinfrastruktur: In laufenden Investitionsprojekten werden derzeit mehr als 30 Mio. EUR in neue hochspezialisierte Labors investiert“, kündigte der Vorsitzende des AIT Aufsichtsrats, Peter Schwab, am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz des AIT an.


Neuer Aufsichtsratsvorsitzender Peter Schwab

Peter Schwab, Mitglied des Vorstands der voestalpine AG, hat im Mai 2021 den Vorsitz des AIT Aufsichtsrats von seinem Vorgänger Hannes Androsch übernommen. „Die Übergabe funktionierte ausgezeichnet, ich konnte das AIT in einem Top-Zustand übernehmen. Seit der Neugründung im Jahr 2008 hat das AIT eine hervorragende Entwicklung genommen – wie auch die Zahlen für das Jahr 2021 bestätigen“, sagte Schwab. Er bedankte sich bei den rund 1.400 hochqualifizierten und hochmotivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Sie sind die Basis des Erfolges. Das AIT versteht sich als starker Partner der Industrie bei Forschungsthemen, die Jahre in die Zukunft reichen, und erfüllt dabei in vielen Fällen den Anspruch der Spitzenforschung, betonte Schwab. Die Fokussierung auf Zukunftstechnologien ist in seinen Augen auch ein wichtiger Beitrag, um gut aus der herrschenden Krise zu kommen, und sichert den Erfolg für die Zukunft. „Eine zentrale Herausforderung bei der künftigen Finanzierung ist, dass die Basisdotierung gegen die hohe Inflation abzusichern ist“, so Schwab.
 

Weiterentwicklung der Strategie

Die Vorbereitung für den nächsten Strategiezyklus 2024–2026 startet im ersten Halbjahr 2023 mit der Shareholder-Vision der Eigentümer – 50,46 % der Anteile am AIT hält das Klima- und Innovationsministerium (BMK), 49,54 % der Verein für Forschung und Innovation (VFFI) in der Industriellenvereinigung.

Als Beratungsgremium für den Aufsichtsrat wurde der Strategic Research Advisory Board (SRAB) neu besetzt. Die Mitglieder sind international hoch angesehene und in der Leitung großer Forschungsorganisationen erfahrene Wissenschaftler:innen:

  • Lynn Gladden (Executive Chair des Engineering and Physical Sciences Research Council / EPSRC)
  • Detlef Günther (Vizepräsident der ETH Zürich)
  • Andrew Wee (National University of Singapore)
  • Kirsten Dunlop (CEO von Climate KIC)
  • Anke Kaysser-Pyzalla (Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt/DLR)
  • Thomas Hofmann (Präsident der TU München) 


Als weiteres Qualitätssicherungselement für den Strategieprozess dient die Evaluierung der AIT Center durch unabhängige und international besetzte Evaluierungspanels, die ebenfalls im Frühjahr des nächsten Jahres stattfindet. „Die Strategie des AIT ist zukunftsgerichtet und adressiert die Themen, die uns alle beschäftigen“, so Schwab. Dazu zählen zum einen Klimawandel und Dekarbonisierung und zum anderen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. „Das AIT ermöglicht Spitzenforschung und bietet Forscherinnen und Forschern einzigartige Forschungsinfrastrukturen und attraktive Arbeitsbedingungen, die das Institut in Europa zu einem Top-Arbeitsgeber in den Bereichen Forschung, Innovation und Technologie machen“, betont der Aufsichtsratsvorsitzende, der sich bei den beiden Eigentümern BMK und VFFI bedankte.

 

Rekordinvestitionen in strategische Zukunftsfelder

„Nur wer über einzigartige, europäisch kompetitive Forschungsinfrastruktur verfügt, spielt in der Liga der Besten mit und unterstützt die Industrie als starker Partner“, sagt Anton Plimon, AIT Managing Director. Mit den derzeit umgesetzten Investitionen in Rekordhöhe von mehr als 30 Mio. EUR stärkt das AIT die Forschungsinfrastruktur in zukunftsweisenden Forschungsbereichen, die für Innovationen und die Transformation großer Systeme wesentlich sind. „Das Zusammenspiel von Forschung in Einzeldisziplinen, umfassendem Systemwissen und Laborinfrastruktur ist fix in unsere DNA eingeschrieben. Dieses Verständnis macht uns in vielen Bereichen einzigartig in Europa und ist wettbewerbstechnisch eine Alleinstellungsmerkmal des AIT“, erläuterte Anton Plimon. Eine entsprechende Forschungsinfrastruktur ist eine wesentliche Basis für die Kooperation mit Partnern aus Forschung, Unternehmen und der öffentlichen Hand und wird nun in einigen zentralen Bereichen weiter ausgebaut.


Energieforschung: Einrichtung des DC Labs

Das AIT treibt seit vielen Jahren die Energieforschung voran. Das betrifft einerseits Technologien, die den Energieeinsatz effizienter machen (zum Beispiel Industriewärmepumpen). Andererseits geht es um Innovationen im Energiesystem selbst, etwa bei der Sektorkopplung und der vermehrten Einbindung erneuerbarer Energiequellen. Zur Entwicklung und Prüfung von Komponenten und Netzen verfügt das AIT über europaweit kompetitive Labors, wie z. B. das SmartEST-Labor oder das Hochstromlabor. Diese werden nun um ein Gleichstromlabor (DC-Labor) erweitert, das eine in Österreich einzigartige Infrastruktur zur Weiterentwicklung von Gleichstromsystemen darstellt. Gleichstrom wird für Bereiche wie Photovoltaik, Stromspeicher, Elektrofahrzeuge oder Datencenter immer wichtiger.

 

Klimaneutrale Mobilität und Batterieforschung

Im Battery Lab des AIT werden leistungsfähigere und sicherere Batterien der Zukunft sowie umweltfreundliche Herstellungsprozesse entwickelt. Diese Forschung, bei der das AIT auf rund 15 Jahre Expertise zurückgreifen kann, bezieht sich auf mehrere Zeithorizonte und verschiedene Technologien – denn für verschiedene Anwendungen wird es immer unterschiedliche Batterietypen geben. Zum einen werden die heute dominierenden Li-Ionen-Batterien weiterentwickelt – gesucht wird beispielsweise ein Ersatz für problematische Materialien wie etwa Kobalt. Zum anderen werden in dem nun neu geschaffenen Labor „Solid State Batteries“ entwickelt: Bei Festkörperbatterien ist kein flüssiger Elektrolyt mehr nötig, dadurch sollen in einigen Jahren die Sicherheit und die Altersbeständigkeit gesteigert werden. Bei der Überführung solcher Technologien in die industrielle Produktion nutzt das AIT die langjährige Expertise aus der Research Pilot Line. Überdies wird an völlig neuen Batterietypen geforscht. Dabei ist noch viel Grundlagenforschung an neuen Materialien wie etwa Magnesium statt Lithium nötig.

 

Leichtmetallforschung am LKR Ranshofen

Leichtmetalle sind für künftige emissionsarme Fahr- und Flugzeuge von entscheidender Bedeutung. Je leichter ein Fahrzeug ist, umso weniger Antriebsenergie ist nötig und umso weniger Emissionen fallen dabei an. Aluminium und Magnesium sind außerdem wertvolle Recycling-Materialien. Am Leichtmetallkompetenzzentrum LKR Ranshofen werden hochfeste Aluminium- und Magnesiumlegierungen, die höchsten Anforderungen an die Stabilität genügen, sowie effiziente, nachhaltige Herstellungsprozesse entwickelt. Aus den Materialien werden Spezialdrähte gefertigt, die in einem 3D-Druckverfahren zu Leichtmetallkomponenten verarbeitet werden können. Dabei werden die Drähte mithilfe eines adaptierten Schweißroboters aufgeschmolzen und schichtenweise auf ein Substrat aufgetragen. Auf diese Weise können auch größere Bauteile mit kompliziertem Aufbau rasch und kostengünstig gefertigt werden.

 

Große Investitionen am Standort Seibersdorf

Große Investitionen nimmt das AIT derzeit auch bei der Tochtergesellschaft Seibersdorf Laboratories vor. So wird etwa das Labor zur Elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) ausgebaut, das zu den führenden derartigen Labors in Europa zählt. Auch der sehr erfolgreiche Bereich Radiopharmaka wird durch einen Neubau und durch neue Laborinfrastruktur erweitert, wodurch das Portfolio von therapeutischen Produkten in der Medizin erweitert wird.

 

Solider Jahresabschluss 2022 und volle Auftragsbücher

Wie Alexander Svejkovsky, CFO des AIT, anhand der Gewinn- und Verlustrechnung zeigte, sind die Erlöse im Berichtsjahr 2021 in allen relevanten Erlösströmen gewachsen. Die externen Erlöse (Auftragsforschung kofinanzierte Forschung) sind um 9,4 % auf 97 Mio. EUR gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr konnten auch die Auftragsstände um rund 2 % auf 193,0 Mio. EUR zulegen. Dem Wachstum der Betriebsleistung um 6,5 % auf 171,79 Mio. EUR stand im Jahr 2021 ein deutlich geringerer Zuwachs des betrieblichen Aufwands (plus 4,6 % auf 166,19 Mio. EUR) gegenüber. Daraus resultierte ein Betriebserfolg von 5,6 Mio. EUR. Unter Berücksichtigung des Finanzerfolges (0,2 Mio. EUR) ergibt sich ein Ergebnis vor Steuern von 5,83 Mio. EUR.  „Was uns besonders freut, ist unsere starke Position in der Akquisition von neuen Projekten im neuen Horizon Europe Programm, die wir heuer einnehmen“, strich Svejkovsky hervor.  Früchte trägt nun auch die Forcierung des Startup-Programms des AIT. Ein Beispiel ist das Unternehmen CellEctric, das von Klemens Wassermann gegründet wurde und eine wesentlich raschere und einfachere Diagnose von Sepsis (Blutvergiftung) erlaubt. Mit der Entwicklung der zugrundeliegenden Technologien begann Wassermann vor zehn Jahren als Dissertant am AIT. Nach der Ausgründung wurde das Unternehmen bereits mit zahlreichen Preisen bedacht.
 

AIT Forschung: Impact stark gestiegen

Auf Basis der exzellenten Laborinfrastruktur erbringen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des AIT, die aus mehr als 40 Staaten kommen, wissenschaftliche Spitzenleistungen. Die „Scientific & Performance Indicators“ für das Jahr 2021 zeigen, dass der Impact-Faktor der wissenschaftlichen Publikationen deutlich auf den neuen Rekordwert von 1.348 gestiegen ist (Vorjahr: 1.052).
Wie Wolfgang Knoll, AIT Managing Director, erklärt, resultiert dies aus zwei positiven Entwicklungen. Zum einen ist die Zahl der Publikationen in wissenschaftlich referenzierten Zeitschriften mit Impact-Faktor um fast ein Fünftel auf 288 gestiegen. Zum anderen hat sich der Impact-Faktor pro Publikation weiter erhöht – dieser liegt derzeit bei fünf, wohingegen er vor fünf Jahren noch bei rund drei gelegen war. „Vor allem die Zahl der Publikationen mit sehr hohem Impact-Faktor ist deutlich gestiegen. Das zeigt, dass die wissenschaftliche Flughöhe des AIT immer besser wird und wir in den für uns relevanten Bereichen an der Spitze mitforschen“, so Knoll.  Als weitere sehr erfreuliche Entwicklungen hebt er hervor, dass die Zahl der erteilten Patente mit 35 auf hohem Niveau bleibt, Gleiches gilt für die Zahl der habilitierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am AIT (33). 2021 hat zudem die Zahl der „Invited Lectures“, Vorlesungen und Publikationen im Rahmen von Konferenzen durch AIT Forscherinnen und Forscher deutlich zugelegt.

 

Förderung von Talenten

184 Jungforscherinnen und Jungforscher arbeiten derzeit im Rahmen ihrer Doktorarbeiten am AIT, davon kommen 48 % aus dem internationalen Raum. Um die Betreuung der Dissertantinnen und Dissertanten weiter zu verbessern und im harten internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe reüssieren zu können, wurde das PhD-Programm neu aufgesetzt. So gibt es gemeinsame Arbeitsprogramme etwa mit der TU Wien, der TU München, der Université Gustave Eiffel (Paris) oder der Tufts University in Boston (USA).

 

Gender & Diversity

Knoll hob weiters die Initiativen im Bereich „Gender & Diversity“ hervor. Im Vorjahr wurde das „Female Leadership Development Programm“ gestartet, in dem 19 AIT Mitarbeiterinnen in einem zehnmonatigen Programm ein fundiertes Training zur Vorbereitung auf künftige Führungs- bzw. Projektleiterinnenaufgaben erhielten.