Direkt zum Inhalt
Symbolfoto: Das AIT ist Österreichs größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung

Klimawandel führt zu häufigeren Hangrutschungen

08.04.2022
AIT-Forscher Philip Leopold federführend an „Nature“-Publikation beteiligt
 
Philip Leopold

Philip Leopold ist Technischer Geologe und forscht am AIT zum Thema Naturgefahren und Bedrohung kritischer Infrastruktur, wie etwa Straßen, Brücken oder Gebäude. Derzeit ist er Business Developer an der Competence Unit Transportation Infrastructure Technologies am AIT Center for Low-Emission Transport.

Hangrutschungen sind eine wichtige Naturgefahr, die gerade in einem gebirgigen Land wie Österreich ein großes Risiko für Gebäude und die Infrastruktur (wie etwa Straßen oder Brücken) darstellen. Sie sind aber nur schwer vorhersagbar, weil sehr viele Faktoren dabei zusammenspielen, ob ein Hang bei Starkregen ins Rutschen gerät oder nicht. Dazu zählen u. a. die Art und Stärke der Niederschläge, die Bodenfeuchtigkeit und die Landnutzung. Dazu kommt, dass sich all diese Faktoren durch den Klimawandel verändern.

Eine Forschergruppe mit Beteiligung des AIT hat nun herausgefunden, dass die globale Erwärmung zu einem massiven Anstieg der Erdrutschgefahr führt: In einem Szenario mit einer Temperaturerhöhung um vier Grad könnte das Risiko für Hangrutschungen um 45 Prozent steigen. Wenn die Erderwärmung auf die Paris-Ziele begrenzt wird, beträgt die Risikozunahme zehn Prozent. Zum Teil kann diese Gefahr durch das Anlegen bzw. die Pflege von widerstandsfähigen und klimaangepassten Schutzwäldern kompensiert werden.

Ausgangspunkt der nun in Nature communications earth & environment erschienenen Studie war ein Starkregenereignis im Juni 2009 im Südosten Österreichs, bei dem allein im Bezirk Feldbach mehr als 3000 Hangrutschungen auftraten und enorme Schäden anrichteten. Damals sammelten viele Forscher, unter ihnen der am AIT tätige Geologe Philip Leopold, zahlreiche Daten zu diesen Vorfällen. Damit stand der Wissenschaft erstmals ein umfassender Datensatz zu den vielen Aspekten von Hangrutschungen zur Verfügung, der in der Folge in einer Reihe von Forschungsprojekten, unter anderem gefördert durch den Klima- und Energiefonds, ausgewertet wurde. Die Modelle, mit denen die verschiedenen für Hangrutschungen wesentlichen Faktoren miteinander verknüpft werden, wurden am AIT mitentwickelt, sie werden nun u.a. von Raphael Knevels, der am AIT seine Diplomarbeit verfasste, an der Universität Jena weitergetrieben. Weitere Kooperationspartner sind u. a. das Wegener Center for Climate and Global Change an der Universität Graz (Erstautor), Joanneum Research, oder das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig.

Eingebettet ist die Forschung zu Naturgefahren in umfangreiche Aktivitäten des AIT zum Schutz kritischer Infrastrukturen wie z. B. Straßen, Brücken, Gebäuden, Energie- und Kommunikationsnetzen.

D. Maraun, R. Knevels, A. Mishra, H. Truhetz, E. Bevacqua, H. Proske, G. Zappa, A. Brenning, H. Petschko, A. Schaffer, Ph. Leopold & B. Puxley: „A severe landslide event in the Alpine foreland under possible future climate and land-use changes”; Nature communications earth & environment (2022) 3:87. DOI: 10.1038/s43247-022-00408-7

Link zur Studie: https://www.nature.com/articles/s43247-022-00408-7