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Symbolfoto: Das AIT ist Österreichs größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung

Intelligente Fahrassistenzsysteme sollen E-Scooter sicherer machen

TU Wien und AIT Austrian Institute of Technology untersuchen im Forschungsprojekt FANFARE das Potenzial aktiver Bremssysteme für die Mikromobilität

E-Scooter haben sich in den vergangenen Jahren als fester Bestandteil urbaner Mobilität etabliert. Gleichzeitig steigt jedoch die Zahl der Unfälle, insbesondere bei Notbremsungen oder schwierigen Fahrbahnverhältnissen. Das Forschungsprojekt FANFARE (Forschung über die Auswirkungen von Fahrer:innen-Assistenzsystemen für Fahrrad und E-Scooter) untersucht daher erstmals systematisch die Wirkung aktiver Fahrerassistenzsysteme für Fahrzeuge der Mikromobilität. Im Mittelpunkt steht ein von der TU Wien entwickeltes elektronisches Bremsassistenzsystem für E-Scooter, das im Rahmen von Fahrversuchen am AIT Austrian Institute of Technology unter realitätsnahen Bedingungen getestet wird. Ziel des Projekts ist es, das Potenzial intelligenter Assistenzsysteme zur Erhöhung der Verkehrssicherheit wissenschaftlich zu bewerten und neue Ansätze für eine sichere Mikromobilität zu entwickeln.

Steigende Unfallzahlen zeigen Handlungsbedarf

E-Scooter sind aus dem Stadtbild vieler europäischer Städte nicht mehr wegzudenken. Mit ihrer zunehmenden Verbreitung wachsen jedoch auch die sicherheitsrelevanten Herausforderungen. Besonders kritische Situationen entstehen bei Bremsmanövern, etwa auf nasser Fahrbahn oder bei plötzlich auftretenden Hindernissen. Lange Bremswege, eine ungünstige Bremskraftverteilung sowie das Risiko von Wegrutschen oder Überschlägen erhöhen das Unfallrisiko erheblich.

Während im Pkw- und Motorradbereich Fahrerassistenzsysteme wie ABS oder elektronische Stabilitätsprogramme seit Jahren zur Verbesserung der Fahrsicherheit beitragen, sind vergleichbare Technologien im Bereich der Mikromobilität bislang kaum verfügbar. Genau an dieser Schnittstelle setzt das Forschungsprojekt FANFARE an.

FANFARE untersucht aktive Fahrerassistenzsysteme für E-Scooter

Im Projekt wird ein neuartiges elektronisches Bremsassistenzsystem untersucht, das speziell für E-Scooter entwickelt wurde. Das sogenannte Brake-by-Wire-System ersetzt die mechanische Verbindung zwischen Bremshebel und Bremse durch eine elektronische Regelung. Auf Basis verschiedener Parameter – darunter Fahrzeuggeschwindigkeit, Gewicht der Fahrerin bzw. des Fahrers sowie deren Standposition – berechnet das System in Echtzeit die optimale Verteilung der Bremskraft zwischen Vorder- und Hinterrad.

Dadurch sollen kritische Fahrsituationen entschärft, Bremswege verkürzt sowie das Risiko von Stürzen, Blockierern oder Überschlägen reduziert werden. Darüber hinaus wird untersucht, inwieweit sich bekannte Fahrerassistenzkonzepte aus dem Automobil- und Motorradbereich auf Fahrzeuge der Mikromobilität übertragen lassen.

In einer Nutzer:innenstudie testen Proband:innen das System unter kontrollierten Bedingungen. Neben objektiven Messgrößen wie Bremsleistung und Fahrstabilität werden auch Akzeptanz, subjektives Sicherheitsempfinden und die Interaktion zwischen Mensch und Assistenzsystem mittels On-Board-Systemen und Mobility Observation Box analysiert.

AIT liefert Forschungsgrundlage und wissenschaftliche Evaluierung

Das AIT Austrian Institute of Technology bringt seine langjährige Expertise im Bereich Verkehrssicherheit, Fahrverhaltensuntersuchung und Mikromobilität in das Projekt ein. Bereits im Vorgängerprojekt SEED wurden unter Leitung des AIT umfangreiche Fahrversuche mit unterschiedlichen E-Scooter-Modellen durchgeführt und wichtige Basisdaten zur Fahrdynamik erhoben.

Diese Erkenntnisse bildeten die Grundlage für die Entwicklung des Assistenzsystems durch die TU Wien. Im Rahmen von FANFARE übernimmt das AIT die wissenschaftliche Planung und Durchführung der Testreihen sowie die Analyse der erhobenen Daten. Die Fahrversuche finden auf dem Gelände des AIT statt und ermöglichen eine detaillierte Bewertung der Sicherheitswirkung des Systems unter realitätsnahen Bedingungen.

„Sicherheitspotenzial für eine wachsende Mobilitätsform“

„E-Scooter sind heute ein wichtiger Bestandteil der Mobilitätskette und werden täglich von vielen Menschen genutzt. Gleichzeitig zeigen Unfallstatistiken, dass insbesondere kritische Fahrsituationen weiterhin ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen. FANFARE bietet die Möglichkeit, erstmals wissenschaftlich zu untersuchen, welchen Beitrag aktive Fahrerassistenzsysteme zur Unfallvermeidung in der Mikromobilität leisten können. Die gewonnenen Erkenntnisse sind nicht nur für die Weiterentwicklung intelligenter Fahrzeugsysteme relevant, sondern liefern auch wichtige Grundlagen für eine sichere und nachhaltige Gestaltung zukünftiger Mobilitätsangebote“, erklärt Paul Rosenkranz, Projektverantwortlicher am AIT Austrian Institute of Technology.