Mikroorganismen sind mit freiem Auge nicht sichtbar und prägen dennoch nahezu alle Bereiche unseres Lebens. Welche Aufgaben Bakterien, Pilze und andere Kleinstlebewesen in der Natur und im menschlichen Körper übernehmen, vermittelten Forschende des AIT im Rahmen der Kinderuni Wien. Das Center for Health and Bioresources beteiligte sich sowohl an der Eröffnung der diesjährigen Kinderuni Wien als auch mit einer eigenen Lehrveranstaltung zur Welt der Mikroorganismen.
Zum Auftakt hielten Angela Sessitsch, Head of Center for Health and Bioresources am AIT und international anerkannte Mikrobiomforscherin, und Michael Wagner von der Universität Wien die Eröffnungsvorlesung zum Thema Mikrobiome. Beide forschen im FWF-Exzellenzcluster „Microbiomes Drive Planetary Health“, der untersucht, wie mikrobielle Gemeinschaften in Menschen, Tieren, Pflanzen und verschiedenen Ökosystemen zusammenwirken und die Gesundheit des Planeten beeinflussen.
Eine verborgene Welt mit weitreichender Bedeutung
Mikroorganismen werden häufig vor allem mit Krankheitserregern in Verbindung gebracht. Tatsächlich ist jedoch nur ein kleiner Teil von ihnen schädlich. Viele erfüllen zentrale Funktionen: Sie halten Nährstoffkreisläufe in Gang, unterstützen Pflanzen beim Wachstum, tragen zur Herstellung und Haltbarkeit von Lebensmitteln bei und beeinflussen Verdauung, Stoffwechsel und Immunsystem.
Wie groß und vielfältig diese unsichtbare Welt ist, verdeutlichten Tanja Kostic, Leiterin der Competence Unit Bioresources am AIT, sowie die AIT-Forscherinnen Clara Pogner und Lisa-Carolin Bilz in der Lehrveranstaltung „Die heimlichen Herrscher der Welt – Die unsichtbaren Helfer in der Natur, im Essen und in dir“. Ein Gramm Boden kann demnach mehrere Milliarden Bakterien, Zehntausende unterschiedliche Bakterienarten und ein weit verzweigtes Geflecht aus Pilzfäden enthalten. Auch der menschliche Körper bietet Lebensraum für eine große Vielfalt an Mikroorganismen – der überwiegende Teil davon befindet sich im Darm.
„Mikroorganismen leben nicht isoliert, sondern bilden komplexe Gemeinschaften. Entscheidend ist daher nicht nur, welche Arten vorkommen, sondern auch, wie sie miteinander, mit ihrer Umwelt und mit ihren Wirtsorganismen zusammenarbeiten“, erklärt Angela Sessitsch. „Dieses Zusammenspiel zu verstehen, ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, Mikrobiome künftig gezielt für gesunde Menschen, widerstandsfähige Pflanzen und nachhaltige Ernährungssysteme zu nutzen.“
Forschung wird anschaulich und überprüfbar
In der Vorlesung am Campus der Uni Wien, am 21.Juli 2026, erfuhren die die sieben- bis neunjährigen Teilnehmer:innen anhand konkreter Beispiele, warum Brot durch Hefen aufgeht, wie Bakterien an der Herstellung von Joghurt beteiligt sind und weshalb Mikroorganismen im Boden für Pflanzen unverzichtbar sind. Die Kinder erhielten zudem Einblicke in wissenschaftliche Methoden: Mikroorganismen können kultiviert, unter dem Mikroskop betrachtet, anhand ihrer DNA untersucht und auf ihre biologischen Aktivitäten getestet werden.
Es wurde gezeigt, dass Mikrobiome über einzelne Lebensräume hinweg miteinander verbunden sind. Mikroorganismen werden zwischen Böden, Pflanzen, Gewässern, Tieren, Lebensmitteln und Menschen ausgetauscht. Veränderungen in einem dieser Bereiche können deshalb auch Auswirkungen auf andere Bereiche haben.
Mit seiner Beteiligung an der Kinderuni Wien vermittelt das AIT aktuelle Forschung bereits jungen Menschen und zeigt, wie wissenschaftliche Erkenntnisse entstehen. Die Auseinandersetzung mit Mikroorganismen bietet dabei einen unmittelbaren Zugang zu grundlegenden Fragen: wie Ökosysteme funktionieren, wodurch Gesundheit beeinflusst wird und welche biologischen Prozesse hinter alltäglichen Lebensmitteln stehen.
Die AIT Competence Unit Bioresources ist ebenfalls an der KinderUni Tulln im August beteiligt.
Eröffnung und Fotos der Kinderuni Wien: www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260713_OTS0057/kinder-begegnen-wissenschaft-kinderuniwien-findet-zum-24-mal-statt
Vorlesung der AIT Expertinnen: www.kinderuni-anmeldung.at/event.php
KinderUni Tulln: www.naturimgarten.at/kinderuni2026.html