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Urban Transport Tbilisi

a knowledge capacity development project

Altstadt von Tiflis

Altstadt von Tiflis

Von 1990 bis 2015 verdoppelte sich die Stadtbevölkerung in Asien, und der Pazifikraum wuchs schneller als jede andere Region. Zwischen 2015 und 2050 wird erwartet, dass der Anteil der Städte an der Gesamtbevölkerung Asiens von 50% auf etwa 65% ansteigen wird, was einem Anstieg von 2,1 Milliarden auf 3,3 Milliarden Menschen entspricht. Dies bietet zwar Chancen für eine höhere Produktivität und einen besseren Lebensstandard, birgt aber auch einige Risiken - daher ist eine integrierte Stadtplanung erforderlich. Um ausgewählte Städte in einen integrierten Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität einzubinden, hat die Asian Development Bank (ADB) das Future Cities Program (FCP) in der Region Asien und Pazifik ins Leben gerufen. [1][2]

Eine dieser ausgewählten Städte ist Tiflis, die Hauptstadt von Georgien. Die Stadt ist zwar historisch bedeutsam und attraktiv (gemessen an dem in den letzten Jahren rapide steigenden Touristenaufkommen), hat jedoch mit verschiedenen städtischen Problemen wie Verkehrsstaus, Umweltverschmutzung und einem schlechten öffentlichen Nahverkehrsangebot zu kämpfen. Das AIT Austrian Institute of Technology wurde im Rahmen des FCP der ADB beauftragt, Tiflis mit Fachwissen und Kapazitätsaufbau im städtischen Verkehr zu versorgen.

Ausgehend von der Identifizierung der gegenwärtigen Lücken in der städtischen Verkehrsplanung und Betriebsführung wurden die Hauptprobleme im Verkehr in Tiflis identifiziert. Eine in enger Zusammenarbeit mit der ADB und lokalen Vertretern durchgeführte Prioritätensetzung hat im Rahmen der Arbeit des AIT zu den folgenden machbaren Punkten geführt:

  • Analyse zur Planung und Optimierung von multimodalen Verkehrsknoten
  • Multimodale Verkehrsdatenerfassung über ein auf einer Smartphone-App basierendes Tool
  • Kapazitätsaufbau und weitere Vernetzung
Verkehrsknotenpunkt Didube

Didube

Analyse zur Planung und Optimierung von multimodalen Verkehrsknoten

Ziel war es, eine detaillierte Simulation der Menschen- und Verkehrsströme im Bereich des im Norden von Tiflis gelegenen Bahnhofs Didube durchzuführen. Dieser Bahnhof ist einer der Brennpunkte im öffentlichen Verkehrsnetz der Stadt, da die meisten regulären Buslinien und Marschrutkas aus der nordwestlichen Peripherie von Tiflis sowie Regionalbusse aus Westgeorgien dort den ersten Kontaktpunkt zum U-Bahnsystem von Tiflis haben.

Für die Neugestaltung des U-Bahnhofs Didube wurde ein Konzept mit sechs Szenarien entwickelt. Diese Szenarien beinhalteten Maßnahmen zur Neugestaltung der lokalen und regionalen Bushaltestellen, zur Gewährleistung eines reibungslosen Verkehrsflusses und zur Verbesserung des Komforts im öffentlichen Raum. Zwei dieser Szenarien waren Gegenstand einer detaillierten Folgenabschätzung unter Verwendung eines Simulationsrahmens, der eine multimodale Verkehrssimulation in PTV VISSIM und die Fußgängersimulation von AIT umfasst. Die Ergebnisse der Studie werden die Neuplanung von Didube mit ihrer umfassenden Untersuchung der Verkehrs- und Personenströme unterstützen.

 

Multimodale Verkehrsdatenerfassung über ein Smartphone-App-basiertes Tool

Smart Survey von AIT, ein auf einer Smartphone-App basierendes Tool, wurde an die lokalen Gegebenheiten in Tiflis angepasst. Im März und April 2017 gab es eine Testumfrage mit MitarbeiterInnen des AIT und vier lokalen TeilnehmerInnen, gefolgt von weiteren Anpassungen des Umfragetools. Von Ende Mai bis August 2017 wurde die Evaluierungsumfrage mit etwa hundert TeilnehmerInnen durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Umfrage enthüllen detailliertere Informationen als eine konventionelle Umfrage, da AIT Smart Survey automatisch das benutzte Verkehrsmittel erkennt und die Möglichkeit bietet, kurze Fahrten, Fußwege und Übergänge zwischen anderen Verkehrsmitteln zu erfassen. Da der Proof-of-Concept erfolgreich war, ist das Tool bereit für den weiteren Einsatz (z.B. in einer umfangreichen Umfrage oder als Teil der nächsten Haushaltsbefragung). Für eine vollständige Einführung wird empfohlen, eine lokale technische Unterstützung für die TeilnehmerInnen aufzubauen, um eine reibungslose Einführung und einen qualitativ hochwertigen Datensatz zu gewährleisten.

 

Kapazitätsaufbau und weitere Vernetzung

Das AIT definierte einen dreistufigen Ansatz, um kurz-, mittel- und langfristige Möglichkeiten zur Schaffung eines Wissenszentrums für nachhaltigen Verkehr anzugehen:

Schulung zum Open-Source-GIS-Werkzeug QGIS: Das Team der Municipal Services Development Agency (MSDA) wurde vom AIT in der Verwendung von QGIS geschult, um eine Alternative zum kommerziellen Tool ArcGIS anzubieten. Diese Schulung hat die Strategie der MSDA, den Einsatz von Open-Source-GIS im gesamten Rathaus von Tiflis zu erhöhen, effizient unterstützt.

Zusammenarbeit auf Universitätsebene: Im Herbst 2017 fand ein gemeinsamer Stadtplanungs- und Designkurs der Technischen Universität von Georgien und der Technischen Universität Wien mit Schwerpunkt auf dem multimodalen Knotenpunkt Didube statt. Auf der Grundlage einer Überprüfung der Ergebnisse dieses gemeinsamen Vorhabens werden die Partner über einen Weg entscheiden, wie sie am besten auf internationale (z.B. Europäische Union (EU)) oder nationale akademische und Forschungsmittel für die weitere Zusammenarbeit zugreifen können.

 

Tbilisi

G. Lenz. S. Seer: "Urban Transport Tbilisi - A knowledge capacity development project"

Zusammenarbeit auf der Ebene der Stadtverwaltung: Die Wiener Stadtverwaltungen bekundeten großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit Tiflis, obwohl deutlich wurde, dass weitere Diskussionen und zusätzliche Vorbereitungszeit erforderlich sind, um einen Partnerschaftsvertrag voranzubringen.

Die Arbeit des AIT zusammen mit der Vormachbarkeitsstudie zur Verbesserung des Tifliser Busnetzes und dem Pilotprojekt zum oberirdischen Transitsystem sowie dem Projekt zur Sanierung der U-Bahn (beide von CDIA unterstützt) wird einen wichtigen Beitrag zum multimodalen Verkehr und zur nachhaltigen städtischen Mobilität in Tiflis leisten und das Ziel unterstützen, eine führende Rolle in der Region einzunehmen und eine intelligente, zukunftsfähige Stadt zu werden.

 

Danksagung:

Alle Arbeiten im Rahmen dieses Projekts wurden in enger Zusammenarbeit mit der Asian Development Bank, der Stadtverwaltung von Tiflis, der Cities Development Initiative for Asia (CDIA), dem Future Cities Program und den damit verbundenen TA's, insbesondere dem Promoting Smart Systems in ADB's Future Cities Program (RETA-9170), der Piloting Future Cities Future Women Initiative (RETA 8797) und der Unlocking Innovation for Development (RETA-9017) sowie insgesamt im Rahmen des Sustainable Urban Transport Investment Program (SUTIP) der ADB durchgeführt.

 

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[1] Asian Development Bank: Establishing the Future Cities Program in the Asia and Pacific Region, Project Number: 49053-001, Technical Assistance Report, December 2015 (https://www.adb.org/sites/default/files/project-document/178245/49053-001-tar.pdf)

[2] United Nations, Department of Economic and Social Affairs, Population Divison, http://www.un.org/en/development/desa/population/publications/database/index.shtml

Publikationen

S. Seer, G. Lenz: "Integrated Urban Mobility Systems"; presentation at 10th Local Economic Development Forum, Tbilisi (Georgia); 13.-14.09.2017

G. Lenz: "Knowledge Capacity Development - Urban Transport in Tbilisi"; presentation at Georgian Technical University Lecture Series, Tbilisi (Georgia); 24.03.2017

G. Lenz. S. Seer: "Urban Transport Tbilisi - A knowledge capacity development project"; published in Tbilisi - Didube Transportation Hub, Technische Universität Wien, Institute of Urban Design and Landscape Architecture E260/1, Department of Urban Design, Vienna 2018
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