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Symbolfoto: Das AIT ist Österreichs größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung

KI im Gesundheitswesen: EARTO Positionspapier zeigt, wie Europa Förderung, Regulierung und Infrastruktur besser verzahnen kann

21.07.2026
Die EARTO Working Group Healthcare unter dem Vorsitz von Dirk Holste (AIT) zeigt auf, wie bessere europäische Rahmenbedingungen insbesondere KMU dabei unterstützen können, KI-Innovationen erfolgreich zu validieren, in Gesundheitssysteme zu integrieren und europaweit zu skalieren

Europa verfügt über exzellente Forschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI), innovative Unternehmen und starke wissenschaftliche Kompetenzen. Die Herausforderung besteht heute jedoch weniger in der Entwicklung neuer KI-Anwendungen als vielmehr darin, die Voraussetzungen für ihre breite Nutzung im Gesundheitswesen zu schaffen. Während die Europäische Kommission mit Initiativen wie dem AI Continent Action Plan, der Apply AI Strategy, dem European Health Data Space (EHDS) und dem Data Act die Nutzung von KI beschleunigen möchte, gewinnen genau diese Rahmenbedingungen zunehmend an Bedeutung.

Vor diesem Hintergrund hat die European Association of Research and Technology Organisations (EARTO) das Positionspapier „Accelerating AI Adoption in Healthcare through European SMEs“ veröffentlicht. Es wurde von der EARTO Working Group Emerging Technologies for Healthcare unter dem Vorsitz von Dirk Holste (AIT Austrian Institute of Technology) erarbeitet. Die Arbeitsgruppe vereint mehr als 100 Expert:innen aus fast 40 Forschungs- und Technologieorganisationen (RTOs) quer über Europe. Das Positionspapier analysiert die strukturellen Hürden, die einer breiteren Nutzung von KI im Gesundheitswesen entgegenstehen, und formuliert sieben Empfehlungen zur Weiterentwicklung der EU-Rahmenbedingungen für die Validierung, Umsetzung und Skalierung KI-gestützter Gesundheitslösungen.

Von der Entwicklung in die Versorgung

KI kann beispielsweise medizinische Entscheidungen unterstützen, gesundheitliche Risiken früher erkennen und Abläufe in Gesundheitseinrichtungen verbessern. Die technische Leistungsfähigkeit allein reicht für einen dauerhaften Einsatz jedoch nicht aus. KI-Lösungen müssen in bestehende IT-Systeme und klinische Arbeitsabläufe integriert, unter realen Bedingungen validiert und nach ihrer Einführung kontinuierlich evaluiert werden. Gleichzeitig müssen sie hohe Anforderungen wie Datenschutz, Medizinprodukteverordnung oder KI-Regulierung erfüllen.

Das Positionspapier macht deutlich, dass Europa heute nicht primär vor einer technologischen Herausforderung steht. Vielmehr bestehen die größten Hürden darin, KI-Lösungen erfolgreich zu validieren, in bestehende Gesundheitssysteme zu integrieren und über unterschiedliche Versorgungssysteme hinweg zu skalieren. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die einen wesentlichen Teil der Innovationen im Bereich Digital Health, Medizintechnik, Biotechnologie und Diagnostik hervorbringen, stoßen dabei häufig auf strukturelle Hürden. Klinische Validierung, regulatorische Anforderungen, Interoperabilität, Datenzugang sowie die Integration in bestehende Versorgungsprozesse erfordern Kompetenzen und Infrastrukturen, die viele Unternehmen nicht selbst bereitstellen können. “Entscheidend sind jetzt die richtigen Rahmenbedingungen, damit insbesondere KMU ihre Innovationen erfolgreich validieren, in Gesundheitssysteme integrieren und europaweit skalieren können.“, sagt Dirk Holste, Deputy Head des AIT Center for Health & Bioresources und Vorsitzender der EARTO WG Healthcare.

Zwei Handlungsfelder für eine breitere KI-Nutzung

Das Positionspapier bündelt seine Empfehlungen in zwei strategische Handlungsfelder.

  • Das erste Handlungsfeld stärkt die Kontinuität entlang des gesamten Innovations- und Implementierungspfads. Förderung, technische und klinische Validierung, regulatorische Prozesse sowie die praktische Umsetzung sollen besser miteinander verbunden werden, damit KI-Lösungen ohne wiederholte Unterbrechungen oder Revalidierungen den Weg in die Gesundheitsversorgung finden können.

  • Das zweite Handlungsfeld konzentriert sich auf die infrastrukturellen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Nutzung von KI im Gesundheitswesen. Dazu gehören insbesondere Systemintegration, der Zugang zu geeigneten KI-Infrastrukturen sowie die praktische Nutzbarkeit von Gesundheitsdaten. Gemeinsam schaffen diese Maßnahmen die Voraussetzungen dafür, dass insbesondere europäische KMU ihre KI-Innovationen erfolgreicher validieren, integrieren und europaweit skalieren können.

Forschungsorganisationen als Bindeglied

Forschungs- und Technologieorganisationen wie das AIT arbeiten an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Unternehmen, Gesundheitseinrichtungen und öffentlicher Verwaltung. Sie unterstützen technische Validierung, Interoperabilität, Systemintegration und die Erprobung unter realen Bedingungen. Diese Funktion ist besonders für kleinere und mittlere Unternehmen relevant, die klinische Partner, spezialisierte Infrastrukturen und regulatorische Expertise häufig nicht selbst vorhalten können.

Das Positionspapier richtet sich daher an die europäische Forschungs-, Gesundheits-, Digital- und Industriepolitik. Es zeigt auf, wie europäische Programme die Rahmenbedingungen für die Validierung, Umsetzung und Skalierung KI-gestützter Gesundheitslösungen weiterentwickeln können, damit Innovationen insbesondere europäischer KMU ihren Weg in unterschiedliche Gesundheitssysteme finden.

Europa verfügt über die wissenschaftlichen und industriellen Voraussetzungen für eine breitere Nutzung von KI im Gesundheitswesen. Entscheidend ist nun, Forschung, Regulierung, Datenzugang und klinische Praxis so miteinander zu verbinden, dass aus erfolgreichen Entwicklungen dauerhaft einsetzbare Lösungen entstehen.

Das vollständige Positionspapier „Accelerating AI Adoption in Healthcare through European SMEs“ steht auf der Website von EARTO zum Download bereit. https://www.earto.eu/our-publications/