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Symbolfoto: Das AIT ist Österreichs größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung

Wasserstoff im Gasnetz

Transformation der Gasinfrastruktur für eine klimaneutrale Energiezukunft

Die Energiewende und der gesetzlich verankerte Pfad zur Klimaneutralität führen dazu, dass der Einsatz von fossilem Erdgas langfristig deutlich zurückgehen muss. Gleichzeitig gewinnt Wasserstoff im Gasnetz als zentraler Baustein eines klimaneutralen Energiesystems zunehmend an Bedeutung. Grüner Wasserstoff, Biomethan und synthetische Gase ermöglichen es, bestehende Gasinfrastrukturen weiter zu nutzen und gleichzeitig CO₂-Emissionen nachhaltig zu reduzieren.

Für viele bestehende Gasnetze stellt sich daher die Frage nach einer zukunftsfähigen Nutzung. In Regionen mit sinkendem Erdgasbedarf kann eine schrittweise Stilllegung wirtschaftlich sinnvoll sein, eine entsprechende Planung ist nach Artikel 57 der EU-Gasbinnenmarktrichtlinie (EU 2024/1788) vorgesehen. In anderen Gebieten bietet die Umstellung von Gasnetzen auf Wasserstoff oder die Einspeisung von Wasserstoff in bestehende Gasnetze (Blending) eine strategische Option, um Infrastrukturwerte zu erhalten, effizient zu nutzen und den Übergang zu einer klimaneutralen Energieversorgung zu unterstützen. Auch die Integration grüner Gase sowie der Aufbau von CO₂-Transportnetzen gewinnen im Zuge der Transformation an Relevanz.

Herausforderungen von Wasserstoff im Gasnetz

Die zentrale Herausforderung bei der Einführung Umstellung von Gas auf Wasserstoff iegt in der technisch, wirtschaftlich und zeitlich abgestimmten Umsetzung. Netze müssen sicher betrieben, Investitionen effizient gesteuert und Transformationspfade sozialverträglich gestaltet werden, auch unter Berücksichtigung der weiteren Infrastrukturentwicklungen (Strom- / Wärmenetze). Nur durch eine integrierte Planung können Stilllegung, Umwidmung und Neubau optimal aufeinander abgestimmt werden.

Das AIT ist spezialisiert auf die Transformation von Gasnetzen hin zu Wasserstoffnetzen und klimaneutralen Infrastrukturen. Gemeinsam mit Netzbetreibern, Energieversorgern und Kommunen entwickeln wir fundierte Gasnetz-Transformationspläne, analysieren Wasserstoff-Einspeiseszenarien, begleiten die Umstellung auf H₂-Betrieb und unterstützen den Aufbau von Wasserstoff-Transportnetzen. Darüber hinaus integrieren wir Biomethan, synthetisches Methan und CO₂-Netze in ganzheitliche Energiesystemlösungen.

Unsere Schwerpunkte im Bereich Wasserstoff im Gasnetz

  • Strategische Gasnetz-Stilllegungsszenarien und Umnutzungskonzepte
  • Transformationspläne für Gas- und Wasserstoffnetze im integrierten Energiesystem
  • Wasserstoff-Einspeisung (Blending) und Umstellung auf reinen H₂-Betrieb
  • Planung und Auslegung von Wasserstoff-Transportnetzen
  • Integration grüner Gase und CO₂-Infrastrukturen

Mit unseren systemischen Analysen, Energiesystemmodellen und wirtschaftlichen Bewertungen schaffen wir die Entscheidungsgrundlage für eine sichere, wirtschaftliche und nachhaltige Nutzung von Wasserstoff im Gasnetz.

Perspektiven für Transformation, Stilllegung und Nutzung bestehender Infrastruktur

Die Transformation der Energieinfrastruktur hin zu klimaneutralen Energiesystemen erfordert einen strategischen Umgang mit bestehenden Gasverteilernetzen. Neben der Integration von Wasserstoff (H₂) und der Nutzung bestehender Leitungsstrukturen für Blending-Szenarien gewinnt die Frage der Stilllegung nicht mehr benötigter Gasnetze an Bedeutung – insbesondere in Regionen mit sinkender Erdgasnachfrage.

Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung ist die Notwendigkeit, fossile Gasverwendung langfristig zu reduzieren und gleichzeitig die Energieversorgung sicher und wirtschaftlich zu gestalten. Wasserstoff im Gasnetz bietet hierbei einen Ansatz, bestehende Infrastrukturen zu nutzen und Schritt für Schritt in ein klimaneutrales Energiesystem zu überführen. Durch die Einspeisung erneuerbarer Gase – sei es über Blending mit Wasserstoff oder die vollständige Umstellung auf H₂-Transport – lassen sich CO₂-Emissionen nachhaltig senken und bestehende Netzwerte erhalten.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Energie, Klimaschutz und Umwelttechnologien (BMWET) hat das AIT eine umfassende Studie zur Stilllegung des Gasverteilernetzes erstellt. Die Untersuchung analysiert die erforderlichen regulatorischen und ordnungspolitischen Rahmenbedingungen, identifiziert Barrieren und gibt Handlungsempfehlungen für eine geordnete Transformation oder Außerbetriebnahme von Netzsegmenten. Ziel ist es, eine rechtlich belastbare und wirtschaftlich tragfähige Grundlage zu schaffen, die sowohl Netzbetreibern als auch kommunalen Akteurinnen und Akteuren Planungssicherheit bietet.

Die AIT-Studie betont, dass eine integrierte Transformation von Gasnetzen – in Abwägung von Stilllegung, Umnutzung und Neubau – in Verbindung mit strategischen Wasserstoff-Einspeiseszenarien die Voraussetzung für eine nachhaltige Infrastrukturentwicklung darstellt. Diese ganzheitliche Betrachtung berücksichtigt technische Aspekte (z. B. Materialverträglichkeit und Netzbetrieb), wirtschaftliche Effizienz sowie regulatorische Rahmenbedingungen, die für eine erfolgreiche Umsetzung von Wasserstoff im Gasnetz maßgeblich sind.

Durch unsere Expertise in der Modellierung, Bewertung und Planung von Wasserstoff- und Gasnetz-Transformationspfaden bietet das AIT entscheidende Impulse für Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, die energetische Infrastruktur zukunftssicher zu gestalten – sei es durch selektive Stilllegung, Blending-Konzepte oder den Aufbau reiner Wasserstoffnetze. Insgesamt steht das Thema Wasserstoff im Gasnetz im Zentrum einer integrativen Energiesystemstrategie, die sowohl den Anforderungen des Klimaschutzes als auch der Versorgungssicherheit gerecht wird.  

Mehr erfahren zur Studie Erforderliche Rahmenbedingungen für die Stilllegung des Gasverteilernetzes

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