Toller Erfolg für das Forscher-Team der PGS und DSS: ihre Studie zum Thema "PV-Wechselrichter Cyber Security – Bewertung der systemischen Bedrohungslage für die Netzstabilität" hat das Rennen um den Roland-Langthaler-Preis 2026 gemacht.
Damit unterstreicht das AIT als Österreichs größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung seine Kompetenz im Bereich der angewandten Energieforschung und der Transformation von Stromnetzen.
Studie bewertet die systemischen Bedrohungslage für die Netzstabilität
Photovoltaik ist längst zu einem zentralen Pfeiler der europäischen Energiewende geworden und deckte 2024 bereits 11 % des EU-Strommixes ab. In sonnenreichen Mittagsstunden liegt der Anteil im gesamten ENTSO-E-Netz im Schnitt bereits über 30 %, an Spitzentagen bei über 50 % der Last. Damit verlagert sich die Anlagensteuerung zunehmend in cloudbasierte Herstellerinfrastrukturen. Moderne Wechselrichter fungieren damit nicht mehr nur als Stromumwandler, sondern als vernetzte Internet of Things-Grid-Edge-Geräte, deren Cybersicherheit zunehmend auch für die Stabilität des Stromnetzes relevant wird.
Wie eine Studie der AIT-Forscher Stefan Übermasser, Matthias Eckhart, Oliver Jung und Michael Denk (EI-JKU, als Co-Autor) erhält diese Entwicklung durch eine hohe Marktkonzentration zusätzliches Gewicht: Nur zwölf Hersteller decken 85 % des Weltmarkts ab, wobei China die weltweite Produktion von Photovoltaik-Produkten mit einem Anteil von 78 % klar dominiert. Das rückt auch das Thema Cybersicherheit in den Fokus: Bekannt gewordene Schwachstellen bei mehreren marktführenden Herstellern verdeutlichen, dass eine große Anzahl von Geräten potenziell von zentraler Stelle aus beeinflusst werden könnte. In Kontinentaleuropa gilt ein ENTSO-E-Referenzstörfall mit 3 GW, das heißt, das europäische Stromnetz müsste bei einem größtanzunehmenden Stromausfall einen plötzlichen Verlust von 3.000 Megawatt Leistung ausgleichen. Eine sorgfältige Bewertung möglicher Auswirkungen einer möglichen koordinierten Beeinflussung dezentraler Erzeugungsanlagen auf die Netzfrequenz erscheint vor dem Aspekt der Versorgungsicherheit als sinnvoll.
Im Zentrum der Analyse steht eine regulatorische Gap-Analyse auf EU- und nationaler Ebene: Aufgrund von Größenschwellen fällt ein Großteil der PV-Anlagen nicht unter die NIS2-Richtlinie, die europäische Unternehmen und Organisationen verpflichtet, strenge Sicherheitsstandards einzuhalten, um sich gegen Hackerangriffe, Ransomware und digitale Sabotage zu schützen. Und der Cyber Resilience Act sieht für Wechselrichter standardmäßig lediglich eine Selbsterklärung der Hersteller vor. Als nationales Fallbeispiel wurde im Rahmen der Studie Österreichs aktuelles TOR-Rahmenwerk vertieft untersucht. Dabei geht es um den Beitrag von Österreichs Energieanlagen wie Kraftwerke, Windräder und Solaranlagen zur Stabilisierung des europäischen Gesamtnetzes.
Daraus werden konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet: die Prüfung einer Einstufung netzrelevanter Wechselrichter als „kritische Produkte" im Cyber Resilience Act, die Nutzung des Network Code on Cyber Security zur Stärkung von Herstellerstandards, die Konkretisierung der TOR-Cybersicherheitsklausel um technische Mindestprofile samt Ausweitung auf Typ-B-Anlagen und Produkt-Whitelists sowie die Härtung sicherheitsrelevanter Firmware-Parameter.
Die Studie wurde von dem AIT Center for Energy und dem Center for Digital Safety & Security in Kooperation mit dem Energie Institut der Johannes-Kepler-Universität (JKU) im Auftrag der Austrian Power Grid AG (APG) erstellt und liefert einen praxisnahen, regulatorisch fundierten Beitrag zur Absicherung dezentraler Energieerzeugung als Bestandteil der österreichischen und europäischen Netzinfrastruktur.
Erfolg durch angewandte Forschung
Der Roland Langthaler-Preis wurde von Österreichs Energie und VERBUND ins Leben gerufen und heuer zum zweiten Mal vergeben. Die Auszeichnung würdigt herausragende Strategien, Initiativen, wissenschaftliche Arbeiten und technologische Lösungen im Energiebereich. Heuer stand der Roland Langthaler-Preis unter dem Motto „Resilienz in Zeiten globaler Umbrüche: Wie gestaltet Europa seine Energiezukunft?“.
Die Preisverleihung fand am 16. September 2026 im Rahmen des Österreichs Energie-Kongresses in der Wiener Hofburg statt.
Link der Presseaussendung von Österreichs Energie: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260916_OTS0212/roland-langthaler-preis-2026-fuer-arbeit-zur-cybersicherheit-von-pv-wechselrichtern