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Wiese Seibersdorf mit Schild "Die Wiese lebt"

Acht Hektar Freiflächen am traditionellen Forschungsareal des AIT Austrian Institute of Technology in Seibersdorf werden nun in artenreiche Trockenrasen umgewandelt – ein Gewinn für die Natur und für die Mitarbeiter:innen vor Ort.

Mit Beginn des Frühlings startete am AIT Standort Seibersdorf ein außergewöhnliches Projekt: Unter dem Projekttitel „Ökologisierung Seibersdorf“ erfährt das traditionelle, in die 1950er-Jahre zurückreichende Forschungsareal eine grundlegende Umgestaltung: Rund acht Hektar Grünflächen werden nun zu Naturwiesen, die künftig vielen heimischen Pflanzen- und Insektenarten Lebensraum bieten. „Auf den ausgewiesenen Flächen lassen wir der Natur ihren Lauf und fördern so die biologische Vielfalt und damit den Klimaschutz“, erläutert Alexander Svejkovsky, AIT Head of Finance & Controlling. Neben den ökologischen Vorteilen gibt es auch eine positive ökonomische Komponente: Mehrkosten für Pflege werden eingespart. 

Biologische Vielfalt und Klimaschutz

Der Boden am Standort Seibersdorf weist die Bedingungen für den in der Region typischen Steinfeld-Trockenrasen auf. Trockenrasen sind sehr artenreich und haben einen hohen Anteil an Blühpflanzen. Vor Ort vorhanden sind beispielsweise: Karthäuser-Nelke, Steppen-Salbei, Heide-Löwenzahn, Echtes Labkraut und Hornklee. Insektenhotels sollen zusätzliche Anreize für Arten wie Bienen und Schmetterlinge bieten. Damit die artenreichen Trockenrasen ihre ökologische und ästhetische Wirkung voll entfalten können, müssen besondere Pflegemaßnahmen durchgeführt werden. Dazu zählt, dass nur ein – bis zweimal pro Jahr genäht und das Mähgut entfernt wird. Die Flächen werden nicht gedüngt und bewässert, sie werden jährlich auf Neophyten kontrolliert, deren Samen von außen anfliegen könnten. In den ersten Jahren gibt es eine biologisch-fachliche Begleitung und Festlegung der Mahdzeitpunkte und Entwicklung der Vegetation. All diese Maßnahmen dienen dem Ziel, dass der Trockenrasen seine Vitalität behält und seine wichtige ökologische Funktion ausüben kann. Die Natur kann sich die Zeit nehmen, die sie braucht. Im heurigen Jahr konnten bereits die ersten Blüher beobachtet werden, und in den Folgejahren werden die Grünflächen stetig an blühender Pracht gewinnen. 

Blume mit lilanen Blüten im Vordergrund und viel Grün

Steppen-Salbei (Salvia nemorosa) Mit seinen prächtigen violetten Blüten und Tragblättern im Blütenstand ist der Steppen-Salbei eine der auffälligsten Pflanzen im pannonischen Raum. Bei Weidetieren ist der Steppen-Salbei aufgrund der starken Behaarung und des Geruchs nicht beliebt. Wenn nicht zu früh gemäht wird, kann er nach der Mahd nochmals austreiben und ein zweites Mal blühen. © Alexander Mrkvicka

Erholungsoasen am Standort

Aber nicht nur die Natur hat etwas von der Ökologisierung der Freiflächen: Auch die Mitarbeitenden am Standort Seibersdorf gewinnen durch die vielfältige Natur der neugestalteten Grünflächen Ruhe- und Erholungszonen unmittelbar beim eigenen Arbeitsplatz. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist ein respektvoller, umsichtiger Umgang mit Flora und Fauna. 

Nachhaltigkeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen sind ein zentraler Teil des Selbstverständnisses des AIT und findet in sämtlichen Bereichen – vom Forschungsschwerpunkt Dekarbonisierungs-Lösungen über die nachhaltige Beschaffung bis hin zur umwelt- und ressourcenfreundlichen Gebäude- und Laborentwicklung – seinen Niederschlag. Mit dem Projekt „Ökologisierung Seibersdorf“ werden nun erste wesentliche Schritte zu mehr Klimaschutz durch Biodiversität an den Unternehmensstandorten selbst gesetzt. 

AIT ist Teil eines Landschafts-Netzwerks

Fachlicher Partner in der Projektumsetzung ist der Landschaftspflegeverein Thermenlinie-Wienerwald-Wiener Becken (https://landschaftspflegeverein.at/). Das AIT Austrian Institute of Technology ist mit den Grünflächen am Standort Seibersdorf Teil eines regionalen Netzwerks an wertvollen Naturflächen in der Region Thermenlinie-Wienerwald-Wiener Becken. Das Ziel des Netzwerkes ist eine insektenfreundliche Landschaft, in der es zumindest alle 300 Meter eine bunt blühende Natur-Oase gibt, in der Wildbienen, Schmetterlinge & Co Lebensraum und Nahrung finden. 300 Meter sind jene Distanz, die auch kleine Wildbienen-Arten noch zurücklegen können. Gleichzeitig sind intakte Lebensräume wichtige Kohlendioxid-Speicher und sind stabiler gegen Störungen. Derzeit umfasst das Netzwerk 144 Hektar in 25 Gemeinden. 

„Ich freue mich sehr, dass wir dieses schöne und wichtige Projekt im wörtlichen Sinne zum Blühen bringen und möchte mich in diesem Zusammenhang bei allen Projektmitarbeitenden für ihren Einsatz herzlich bedanken“, so Svejkovsky.

Zwei schwarze Schmetterlinge mit roten Punkten und einem Kokoon

Sechsfleck-Widderchen (Zygaena filipendulae) In Trockenrasen und Magerwiesen besuchen die auffällig gefärbten Sechsfleck-Widderchen von Juni bis August tagsüber Blüten. Fressfeinden wie Vögeln zeigen sie mit ihren Farben, dass sie giftig sind. Ihre Körperflüssigkeit enthält Blausäureverbindungen. © Alexander Mrkvicka