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Ein kürzlich veröffentlichter Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI hält im Detail fest, dass wir in einer neuen Ära von komplexen und oft unvorhersagbaren Risiken leben. Dabei überlagern sich mehrere Krisen und verstärken einander gegenseitig: Coronapandemie, Klimawandel, Biodiversitätsschwund, Energiekrise, Inflation, der Krieg in der Ukraine und viele andere geopolitische Spannungen beeinträchtigen das Leben von immer mehr Menschen immer stärker. Die multiple Krise hat massive ökonomische und gesellschaftliche Auswirkungen: Diese reichen von einer Verschiebung der „Terms of Trade“ und damit des Wohlstands in verschiedenen Regionen bis hin zu sozialen Spannungen, die eine ernste Gefahr für die Demokratie sein können.

Präsenztreffen in den Tiroler Bergen

Ein wichtiger Schlüssel zur Überwindung dieser Krisenerscheinungen bieten Technologien, lautet die feste Überzeugung von Hannes Androsch, Doyen der Alpbacher Technologiegespräche erster Stunde. Das traditionelle Treffen der Technologie-Community in Alpbach, das vom AIT Austrian Institute of Technology und von ORF Radio Ö1 in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Forum Alpbach kuratiert wird, findet heuer von Donnerstag, 25. August, (14 Uhr) bis Samstag, 27. August (14 Uhr) statt  – und zwar nach zwei Jahren der virtuellen bzw. hybriden Durchführung im heurigen Jahr wieder als Präsenzveranstaltung. Auf die Teilnehmer:innen warten 40 Stunden hochkarätige Debatten in mehr als 20 Plenary Sessions, Workshops und Partner Sessions; überdies gibt es reichlich Gelegenheiten zum Netzwerken.

Das Programm konzentriert sich auf Lösungen für die mannigfachen Probleme, mit denen wir derzeit konfrontiert sind. Es steht unter dem Generalthema „The New Europe“ und folgt den vier thematischen Tracks des Europäischen Forums Alpbach 2022: Securing Europe’s Future in a Globalised World; The Climate Opportunity; The Financing of Europe’s Future; und The Future of Democracy and the Rule of Law in Europe.

Wie unser Energiesystem resilienter, nachhaltiger und sicherer wird

Die Energiekrise spitzt sich mehr und mehr zu. Ausgehend von der Corona-Krise und nun massiv verstärkt durch den Krieg in der Ukraine ist die Energiesicherheit zu einem Top-Thema unserer Tage geworden. Nötig ist eine umfassende Transformation unseres Energiesystem – hin zu einem System, das gleichzeitig Versorgungssicherheit und Klimaschutz sicherstellt. Ein mit internationalen Spitzenforscher:innen und Vertreter:innen der Industrie – u.a. Bernd Rech (Helmholtz-Zentrum Berlin), Carla Seidel (BASF), Peter Schwab (voestalpine) oder Sabine Herlitschka (Infineon) – besetztes Panel sucht nach Wegen, unser Energiesystem völlig neu denken. Diskutiert werden grundlegende Anforderungen an die künftige Energieversorgung und Möglichkeiten, unseren Umgang mit Ressourcen resilienter, nachhaltiger und sicherer zu machen.

Wenn die globalen Lieferketten aus dem Takt geraten

Eingebettet ist die Energiekrise in die Turbulenzen, in die die internationalen Lieferketten geraten sind. Diese Lebensadern der Weltwirtschaft laufen schon seit dem Ausbruch der Pandemie alles andere als rund: Geschlossene Häfen und Schlachthäuser, Mangel an Containern, fehlende LKW-Fahrer usw. führen dazu, dass Nachschubwege für die Industrie, aber auch für die globale Lebensmittelversorgung unsicher geworden. Hochkarätige Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis, unter ihnen Gabriel Felbermayr (WIFO), Stefan Thurner (Complexity Science Hub Vienna), Charles Godfray (Oxford University), und Andreas Gerstenmayer (AT&S), werden aus Sicht der Komplexitätsforschung und der Praxis die dahinterliegenden gemeinsamen Mechanismen für anscheinend nicht zusammenhängende Entwicklungen analysieren. Die Debatte soll eine solide Basis für die Konzeption eines widerstandsfähigeren und klimafreundlicheren Weltwirtschaftssystems legen und Antworten geben auf Fragen wie: Welche Wege könnten zu einer widerstandsfähigeren Zukunft führen? Ist eine lokale Produktion wünschenswert, und inwieweit ist eine globale Produktion unumgänglich? Kann die Transparenz in den Versorgungsnetzen einen Wendepunkt darstellen? Was sollten die politischen Entscheidungsträger tun?  

RNA-basierte Impfstoffe: Wie geht es in der Forschung weiter?

Wie entscheidend Technologie für die Gestaltung der Zukunft sein kann, wurde zuletzt insbesondere in der Biotechnologie deutlich: Innovative RNA-basierte Impfstoffe haben sich als rasch verfügbare und wirksame Waffen im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie erwiesen. Dass diese Technologie noch viel mehr kann, wurde in den vergangenen Jahren in Labors auf der ganzen Welt deutlich: Zahlreiche Bereiche der Medizin, insbesondere die Behandlung von Krebserkrankungen, aber auch etwa die Regeneration geschädigter Gewebe, können von Therapeutika auf RNA-Basis stark profitieren. In Kooperation mit der Helmholtz-Gesellschaft Deutscher Forschungszentren werden die Chancen dieses medizinischen Hoffnungsgebietes ebenso wie die Risiken und Hürden diskutiert – unter anderem mit Ormar Wiestler (Helmholtz), Helga Nowotny (Forschungsrat), Klaus Cichutek (Paul-Ehrlich-Institut) und Christoph Huber (BioNTech). 

Infowar und Cyberwar

Technologie ist freilich immer eine Medaille mit zwei Seiten: Messer oder Automobile sind sehr nützliche Dinge, sie können aber auch als tödliche Waffen missbraucht werden. Ähnliches gilt für Informations- und Kommunikationstechnologien. Nicht zuletzt im Krieg in der Ukraine wurde das Internet zum Kriegsgeschehen – es toben eine Infowar und ein Cyberwar: Auf der einen Seite werden die realen Kampfhandlungen in sozialen Netzen von Videos von Kämpfen, fliehenden Menschen und bombardierten Gebäuden begleitet. Im Kampf um Narrative reihen sich dabei Heldengeschichten nahtlos an Desinformation. Auf der anderen Seite liefern sich Hacktivisten einen Schlagabtausch, bei dem sie alle digitalen Mittel einsetzen: Kriegerische Hackergruppen versuchen aus dem Schatten des Internets heraus, die andere Seite zu schädigen und beispielsweise Infrastrukturen lahmzulegen. In der hochkarätig besetzten Plenary Session „Battlerground Internet: Between Cyberwar and Infowar“ spüren führende Wissenschaftler und Militärexperten wie etwa Markus Reisner (Militärakademie Wr. Neustadt), Susanne Spahn(Journalistin) oder Volker Kozok (Deutsche Bundeswehr) den aktuellen Entwicklungen nach, skizzieren Muster in der Cyberwelt und Zusammenhänge mit der realen Welt.

International Talk: Technologie als geopolitische Kraft

Die aktuelle multiple Krise bedroht auch unser Konzept von Freiheit, Wohlstand und Sicherheit. Dies erfordert nicht nur geopolitische Anstrengungen, sondern auch technologisch neue Antworten. Innovationen helfen uns bei der Überwindung der Krisen, sie werden aber zunehmend auch zu einem wichtigen machtpolitischen Instrument. Wer heute bei der Entwicklung von Zukunftstechnologien die Nase vorne hat, kann der Welt seinen Stempel aufdrücken. Eingekeilt zwischen den Machtblöcken USA und Ostasien, braucht das Neue Europa einen kräftigen Aufholschub – mit Forschung & Entwicklung, Bildung und Innovationsgeist.

Integrative Kraft der Künste

Thematisiert wird beim Treffen der Technologie-Community in Alpbach überdies die Rolle der Künste bei den nötigen Transformationen, in denen sich unser Gesellschafts- und Wirtschaftssystem befindet. Eine interdisziplinäre Debatte in Kooperation mit der Universität für angewandte Kunst Wien soll neue Wege skizzieren, die Menschen zum Umdenken und Handeln zu animieren und die Gesellschaft auf kreative Weise auf künftige Umbrüche vorzubereiten.

„New Europe“ steht vor großen Herausforderungen, und es ist dringend notwendig, dass aus Europa neue Antworten gegeben werden. In einem zur geschätzten Tradition gewordenen FTI-Eröffnungstalk stehen Spitzenvertreter:innen der Politik und Industrie Rede und Antwort.

Intensiver persönlicher Austausch

Endlich sind heuer auch wieder der persönliche Austausch und das gemeinsame intensive Bearbeiten von Problemstellungen möglich: Hochattraktive und solide Content Sessions finden unter anderem zu Themen wie Mikroelektronik, Fake News, Vertrauen, Klimaschutz in Mobilität und Industrie, Verschmelzung von Mensch und Technik sowie Künstliche Intelligenz statt. Der Anwendung von KI („Applying AI“) ist auch das heurige Jahrbuch aus der Serie „Discussing Technology“ gewidmet, das alle Teilnehmer:innen der Alpbacher Technologiegespräche kostenlos zur Verfügung gestellt wird.

Wir freuen uns auf Sie!

Weiter Infos und Tickets: www.ait.ac.at/efatec