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"Wir brauchen einen fast track für Innovation"

Beim 2. RTO Innovation Summit präsentierten Europas führende Forschungsorganisationen, darunter das AIT Austrian Institute of Technology, ihre Beiträge zu Digitalisierung, Dekarbonisierung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.

Der Auftrag von Research und Technology Organisations (RTOs) – das sind außeruniversitäre Forschungszentren, die mehrheitlich im Besitz der öffentlichen Hand stehen – ist es, mit ihrer Expertise der Gesellschaft und der Wirtschaft zu dienen. Sie befinden sich an der Schnittstelle zwischen akademischer Forschung und Unternehmen: RTOs entwickeln neue Technologien und transferieren das Wissen an die Industrie, um Innovationen voranzutreiben, die Innovationskraft der Wirtschaft stärken und konkrete Lösungen zu entwickeln, die bei der Bewältigung der großen Zukunftsaufgaben helfen.

Was das in der Praxis bedeutet, wurde beim 2. RTO Innovation Summit deutlich, der dieser Tage online stattfand. Organisiert wurde diese Veranstaltung von zehn führenden RTOs aus ganz Europa mit zusammen mehr als 50.000 Mitarbeitern – unter ihnen das AIT Austrian Institute of Technology. Diskutiert wurden drei höchst aktuelle Themenbereiche: „The European Green Deal“, „A Europe Fit for the Digital Age” und „Industrial Competitiveness“.

Aftermovie des RTO Innovation Summit in Englisch

Herausforderungen: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Gleich in den Eröffnungsstatements wurde intensiv auf die aktuelle Corona-Pandemie Bezug genommen, die Schwachstellen und Probleme deutlich sichtbar macht. Einigkeit herrschte, dass man nach dem Motto „never waste a good crisis“ umgehend daran gehen müsse, gemeinsam die Stärken Europas besser zu nutzen – und zwar vor allem in den Themen Digitalisierung und „Greening“ aller Bereiche. In Europa gebe es sehr viel Know-how, und dieses müsse verstärkt genutzt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und zukunftsorientierte Jobs zu schaffen. Die zentrale Frage für den 2. RTO Innovation Summit lautete folglich: Wie kann die europäische Innovations-Kapazität weiter forciert werden, um sicherzustellen, dass die Krise als Chance für ein besseres und stärkeres Europa genutzt wird?

Stärkere Zusammenarbeit

Erste Antworten gaben sogleich einige Leiter von RTOs: Luc Van den Hove, CEO des belgischen Forschungszentrums imec, sagte, dass RTOs wesentlich stärker mit der Industrie kooperieren könnten und sollten. „Das wird zu wenig genutzt. Wir haben exzellente Wissenschaft, aber wir tun zu wenig, um die Lücke zwischen akademischer Forschung und Innovation zu überbrücken.“ Paul De Krom, Präsident der niederländischen TNO, ergänzte: „Wir arbeiten sowohl in der öffentlichen Sphäre als auch mit Unternehmen: Wir haben die Kapazität, um diese Zusammenarbeit zu orchestrieren. Und wir RTOs arbeiten sehr eng zusammen: Durch grenzüberschreitende Kooperation können wir die Kraft von Europa nutzbar machen.“

Sehr wichtig dabei seien Initiativen der EU – insbesondere die europäische Digitalisierungsstrategie „Ein Europa für das digitale Zeitalter“ sowie der „Europäische Green Deal“, der einen Fahrplan für eine nachhaltige EU-Wirtschaft bereitstellt und damit eine Basis für Investitionen in neue, umweltfreundliche Technologien, für die Entwicklung von Innovationen, die künftige Wettbewerbsfähigkeit Europas und neue Jobs legt. Diese Strategien stecken einen Rahmen ab, der für eine stärkere Kooperation genutzt werden müsse, lautete die einhellige Meinung aller Diskutanten.

Stichwörter zum Thema "Europe fit for the digital age"

Illustration von Alix Garin (von Cartoonbase) zum Thema "Europe fit for the digital age"

AIT-Experten in Debatten um Wasserstoff und…

Im Zuge der folgenden Diskussionen wurden zahlreiche aktuelle Themen diskutiert, zu Wort kamen Vertreter von Unternehmen und und der öffentlichen Hand, sowie Expert*innen europäischer RTOs. Auch vom AIT. Im Panel „Enabling the Deployment of Low Carbon Hydrogen” umriss Wolfgang Hribernik, Head of Center for Energy, die zwei wichtigsten Stoßrichtungen, in die die Forschung gehen müsse: „Das künftige Energiesystem wird auf den beiden Energieträgern Elektrizität und auf Wasserstoff beruhen.“ Zum einen gehe es nun um die Weiterentwicklung von Technologien zur Erzeugung, Umwandlung und Nutzung von „grünem“ Wasserstoff, und zum anderen um die Integration dieser Technologien in Energiesysteme, um alle Potenziale für das Zusammenspiel der unterschiedlichen Sektoren ausschöpfen zu können. Den RTOs komme dabei an der Schnittstelle zwischen Politik und Industrie auch die wichtige Rolle zu, Demonstratoren und Pilot-Anwendungen aufzubauen, um an diesen lernen zu können.

Cybersecurity und Quantentechnologien

Helmut Leopold, Head of Center for Digital Safety & Security, brach in der Diskussion „Cybersecurity in the Digital Age“ eine Lanze für einen umfassenden Zugang zu den Problemen der Cybersicherheit. „Wir bauen immer komplexere Systeme, wir verbinden alles mit allem miteinander. Dadurch entstehen neue Bedrohungen – und wir brauchen daher neue Technologien, um damit umgehen zu können“, so Leopold. Es sei allerdings nicht nur ein Thema der Technologie, sondern man müsse ein ganzen Ökosystems aufbauen, in dem eine permanenten Diskussion mit End-Usern, der Gesellschaft, Unternehmen, mit Politik und Behörden und der Forschung möglich sei. Die RTOs arbeiten dabei zum einen auf einer soliden wissenschaftlichen Basis und haben zum anderen die Fähigkeiten, Technologien auf industriellem Niveau zu entwickeln.

Überdies war das AIT stark im Panel „Quantum Technology – The Future is Now“ vertreten. Quanten-Technologien werden als eine der wesentlichen Schlüsseltechnologien der Zukunft angesehen. Das AIT leitet dabei große EU-Projekte, in denen die – völlig abhörsichere – Quantenverschlüsselung in europaweiten Testbeds ausgerollt, getestet und weiterentwickelt wird.  

Im Zuge des 2. RTO Innovation Summit wurden auch einige Positionspapiere erarbeitet, insbesondere zu den Themen „Cybersecurity in the Digital Age“ und „Quantum Technologies: The Future is Quantum … and the Future is Now”, an denen die AIT-Experten Markus Kommenda und Martin Stierle federführend mitgearbeitet haben.

Link führt zu Youtube; das Video ist englischsprachig

Klicken Sie auf das Bild, um zu der aufgezeichneten Session mit dem Thema "Cybersecurity in the Digital Age" zu kommen.

„Fast track to innovation“

In einer Conclusio resümierte der CEO von TECNALIA, Inaki San Sebastian, die wichtigste Aufgabe von RTOs für die Zukunft: „Wir brauchen einen Ansatz, der Wissenschaft und Business verbindet, und wir RTOs wissen, wie man Wissenschaft und Business kombiniert.“ Nötig sei nun ein „fast track“ für Innovationen. „Wir müssen den Weg von Wissenschaft auf den Markt beschleunigen, und wir brauchen ein Scale Up von Prototypen.“ VTT-Präsident Antti Vasara ergänzte: „Die geheime Kraft von Europa ist die Kollaboration, unsere Fähigkeit, zusammen an gemeinsamen Zielen zu arbeiten. Das müssen wir verstärken – auch in Zeiten der Pandemie.“

RTO Innovation Summit Banner mit Information über Veranstaltungsdatum am 18. - 19. November 2020 virtuell

INFO: Zum 2. RTO Innovation Summit

Der 2. RTO Innovation Summit fand am 18. und 19. November online statt. Organisiert wurde die Konferenz von zehn Research and Technology Organisations (RTOs) in Europa: AIT (Österreich), CEA (Frankreich), DTI (Dänemark), Fraunhofer (Deutschland), imec (Belgien), RISE (Schweden), SINTEF (Norwegen), TECNALIA (Spanien), TNO (Nederlande), VTT (Finnland). RTOs betreiben gemeinsam mit Partnern Forschung und Technologieentwicklung, um Wissen zu praktischen Technologien und Lösungen für die Gesellschaft und für Unternehmen weiterzuentwickeln. Dadurch sollen zum einen die Innovationskraft der Wirtschaft gesteigert und zum anderen Lösungen für die großen Zukunftsprobleme gefunden werden.