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Aufgezeichnetes Netzwerk eines Telehealth-Systems

Gut betreut: Neues Telehealth-System für Personen in Quarantäne

Personen, die sich wegen des Corona-Virus in häuslicher Quarantäne befinden, können durch ein neues Telehealth-System laufend von medizinischem Fachpersonal betreut werden. Das ermöglicht eine Entlastung des Gesundheitssystems und gleichzeitig hohe Sicherheit für die betroffenen Personen.

Häusliche Quarantäne ist eine der wirksamsten Maßnahmen, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Dadurch wird das Gesundheitssystem deutlich entlastet – sowohl was die Kapazitäten in Krankenhäusern als auch jene der Gesundheitsbehörden, etwa der Hotline 1450, betrifft. Allerdings stellt sich das Problem, dass eine medizinische Betreuung der Betroffenen sichergestellt werden muss. Ein möglicher Ausbruch der Krankheit mit ihren potenziell schweren Folgen darf nicht übersehen werden.

Dies wird durch ein neues Telegesundheitssystem möglich, das nun in Tirol im Rahmen eines Forschungsprojektes eingesetzt wird. Es ermöglicht eine engmaschige Beobachtung von Symptomen, um die Patienten rechtzeitig in ein Krankenhaus zu bringen, wenn es notwendig ist.

Konkret werden mittels eines Ohrsensors automatisch Körpertemperatur, Sauerstoffsättigung und Atemfrequenz gemessen, und mit einer Handy-App werden medizinisch relevante Werte des Patienten erfasst. Diese Daten werden an ein Betreuungsteam aus rund 20 Personen der Medizinischen Universität Innsbruck und der Tirol Kliniken übermittelt, das rund um die Uhr eine Überwachung garantiert.

Vielfach bewährte AIT Plattform

Dieses neue Covid-19 Monitoring System beruht auf der seit Jahren bewährten Telehealth Plattform, das vom AIT Austrian Institute of Technology bzw. dem AIT-Spin-off TELBIOMED Medizintechnik und IT Service GmbH entwickelt und betrieben wird. Dabei handelt es sich um eine modulare Plattform, die Basisfunktionen zur sicheren und zuverlässigen Erfassung und Übermittlung von Daten bereitstellt und durch Krankheits-spezifische Komponenten an konkrete Anwendungen angepasst werden kann. Der modulare Aufbau des Systems ermöglichte es den Spezialisten des AIT Centers for Health and Bioresources, binnen kürzester Zeit eine Anwendung für die Betreuung von Covid-19-Heimquarantäne zu entwickeln.

Eingesetzt wird die AIT Telehealth Plattform beispielsweise im Telegesundheitsdienst HerzMobil, in dem Patient*innen mit Herzinsuffizienz seit mehreren Jahren in Tirol und in der Steiermark telemedizinisch betreut werden. Andere Anwendungen betreffen etwa die Betreuung von Diabetes-Patient*innen. In all diesen Bereichen sind die Telegesundheitsdienste eine wertvolle Unterstützung für einen effizienten und zielgerichteten Ressourceneinsatz.

Im Covid-19 Monitoring Projekt in Tirol funktioniert das in der Praxis so: Hochrisikopersonen bekommen einen Ohrsensor, die Daten werden über ein spezielles Modem pseudonymisiert (dabei wird der Name durch einen Code ersetzt, wodurch die Feststellung der Identität de facto ausgeschlossen ist) an Ärzte übermittelt, die die Informationen analysieren und sofort reagieren können. Das AIT-Telehealth-System dient dabei als Patientenakte. Personen, die keiner Hochrisiko-Gruppe angehören, können die AIT Telehealth Plattform wie ein Tagebuch nutzen: Sie geben täglich ihre Vitaldaten ein und beantworten relevante Fragen zu ihrem Wohlbefinden bzw. zu Symptomen (Husten, Kurzatmigkeit, Müdigkeit, Halsschmerzen etc.). Um Eingabefehler zu vermeiden, nimmt das System gleich bei der Dateneingabe einen Plausibilitäts-Check vor. Dann werden diese Daten in strukturierter Form an autorisierte Betreuungspersonen übermittelt. Der Datenserver wird in der sicheren IT-Umgebung des AIT betrieben. Zugang zum Datenserver erhalten ausschließlich autorisierte Personen, alle Daten werden selbstverständlich verschlüsselt übertragen.

Übersichtliche grafische Darstellung

Dem medizinischen Fachpersonal wird eine übersichtliche grafische Darstellung aller Daten angezeigt, um die Verlaufskontrolle zu erleichtern. Mit einfachen Filtermöglichkeiten kann überdies nach Personen mit auffälligen Symptomen gesucht werden. Je nach Notwendigkeit können Personengruppen in gesonderte Betreuungslisten mit unterschiedlichen Kontrollzyklen übergeben werden.

Die Betreuungsteams können mit einer integrierten Feedback-Funktion jederzeit Nachrichten an die Personen in Heimquarantäne übermitteln. Diese Nachrichten können von den Anwender*Innen direkt im System empfangen und bestätigt werden. Alle Informationen werden transparent und nachvollziehbar gespeichert. Die Personen in Quarantäne können sich die erfassten Daten jederzeit übersichtlich anzeigen lassen und haben dadurch auch eine Art medizinisches Tagebuch, in dem sie den Verlauf für sich selbst kontrollieren können.