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Mobility Observation Box

01.09.2026

Verkehrssicherheit durch präzise Analyse von Risiken und Konflikten

Maßnahmen zur Steigerung der Verkehrssicherheit oder zur Optimierung des Verkehrsverhaltens werden häufig erst ergriffen, nachdem Unfälle bereits passiert sind. Der Hauptgrund dafür ist, dass das Unfallrisiko an spezifischen Straßenabschnitten im Voraus schwer zu quantifizieren ist. Während schwere Verkehrsunfälle statistisch gesehen relativ selten sind, treten kritische Verkehrssituationen wie Beinaheunfälle oder riskante Fahrmanöver weitaus häufiger auf und dienen als deutlicher Indikator für ein erhöhtes Unfallrisiko.


Mit der Mobility Observation Box (MOB) wurde ein innovatives, videobasiertes Verkehrserfassungssystem entwickelt, das objektive Konflikt- und Verhaltensanalysen ermöglicht. Die MOB ersetzt bisherige manuelle und subjektive Erhebungen durch eine präzise, kontinuierliche Beobachtung des Verkehrsgeschehens. Dank ihres kompakten Designs und Akkubetriebs ist sie flexibel einsetzbar und kann für bis zu zehn Tage mobil und anonymisiert hochauflösende Verkehrsdaten erfassen. Automatisch klassifizierte Personen- und Fahrzeuginteraktionen lassen sich über definierte Zeiträume hinweg analysieren, ohne den Verkehrsfluss zu beeinflussen.


Unter Verwendung von Künstlicher Intelligenz werden aus den Videodaten Trajektorien und Verkehrssicherheitsindikatoren generiert. Die Privatsphäre der Verkehrsteilnehmer:innen bleibt dabei jederzeit geschützt. Die gesamte Verarbeitung erfolgt unter strikter Einhaltung der Datenschutzvorgaben, die Bilddaten werden ausschließlich in einem abgesicherten Bereich im AITNetzwerk temporär gespeichert, die Sensorinformationen sind durchgehend verschlüsselt.


Die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten der MOB wurden bereits in verschiedenen Projekten erfolgreich erprobt. So wurde das System an mehreren Schulstandorten in Österreich eingesetzt, um risikobehaftete Verkehrssituationen zu identifizieren und zu bewerten. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden mit Schulen diskutiert. Städten und Gemeinden wurden gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit vor Schulen empfohlen. Der ÖAMTC betont in diesem Zusammenhang: „Eine augenscheinlich ruhige Lage bedeutet nicht, dass es auch sicher ist, speziell wenn es um Kinder geht!“


Darüber hinaus wurde die MOB in Österreich, Deutschland und der Schweiz für umfassende Interaktionsanalysen mit Fokus auf E-Scooter eingesetzt. Die gewonnenen Daten fließen in Richtlinien und gesetzliche Regelungen ein, die beispielsweise im österreichischen Verkehrssicherheitsbeirat des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur diskutiert werden. Zusätzlich trägt das System zur Optimierung von Ampelschaltungen bei, indem es Verkehrsflüsse analysiert, um Staustunden und damit verbundene volkswirtschaftliche Verluste sowie Umweltbelastungen zu reduzieren. Diese Kombination aus Verkehrsdatenerfassung und Sicherheitsbewertung wurde erstmals erfolgreich in Wien angewendet.


Die MOB-Technologie wurde mit mehreren internationalen Preisen ausgezeichnet. Darunter waren der DEKRA Award 2021 in der Kategorie „Sicherheit im Verkehr“, der Ö3 Verkehrsaward 2022 in der Kategorie „Idee des Jahres“ sowie der European Excellence in Road Safety Award 2023 der Europäischen Kommission in der Kategorie „Daten“. Neben ihrem Einsatz in der Forschung und Straßenverkehrssicherheit wird die MOB künftig verstärkt zur Analyse innerbetrieblicher Verkehrsströme genutzt, etwa zur Evaluierung des Arbeitsschutzes auf Betriebsgeländen. Eine Weiterentwicklung für den Einsatz unter schlechten Lichtverhältnissen, beispielsweise in Tunneln oder bei Nacht, ist in Planung.