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Stadtplanung 2.0: Corona-Krise zeigt, wie Kooperation funktioniert

Im „City Intelligence Lab“ des Center for Energy am AIT Austrian Institute of Technology werden städtebauliche Planungen gemeinsam mit Auftraggebern und Nutzern durchgeführt und die Auswirkungen bestimmter Maßnahmen in Echtzeit dargestellt. Diese neuartige Form der Kollaboration funktioniert auch in Zeiten von Corona bestens – durch eine virtuelle Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Städte müssen ihre Entwicklung und ihr zu erwartendes Wachstum intelligent gestalten und dabei auch Antworten auf die Herausforderung des Klimawandels finden. Dazu zählen die Verkehrserschließung und die Zugänglichkeit genauso wie z. B. die sommerliche Überhitzung. Viele Probleme lassen sich durch eine sorgfältige Planung von Stadtteilen, Straßennetzen, der Orientierung und Höhe der Gebäude oder der Bebauungsdichte weitgehend vermeiden. „Die Städte der Zukunft müssen nicht nur mit smarten Technologien ausgerüstet, sondern auch konsequent digital geplant werden – vom Quartier bis zum Gebäude“, lautet das Credo von Nikolas Neubert, Stadtplaner und Architekt am AIT Austrian Institute of Technology. 

Viele Probleme lassen sich durch eine sorgfältige Planung von Stadtteilen, Straßennetzen, der Orientierung und Höhe der Gebäude oder der Bebauungsdichte weitgehend vermeiden.

„Die Städte der Zukunft müssen nicht nur mit smarten Technologien ausgerüstet, sondern auch konsequent digital geplant werden – vom Quartier bis zum Gebäude“

NIKOLAS NEUBERT

Stadtplaner und Architekt am AIT Austrian Institute of Technology

Neuberts Team hat dafür das „City Intelligence Lab“ aufgebaut, in dem die komplexen Auswirkungen der Planung auf Wirtschaft, Umwelt oder Mobilität transparent und sofort sichtbar gemacht werden können – vom frühesten Planungsstadium an. „Wir haben mit dem Labor eine interaktive Plattform und einen Experimentierraum geschaffen, die man wie eine Art Medizinlabor für digitale Technologien beschreiben kann“, so der Forscher. Dabei kommen Schlüsseltechnologien wie Augmented Reality (AR) oder Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz, um physikalische Berechnungen und komplexe Simulationen zu erstellen und zu visualisieren.

„Wir haben mit dem Labor eine interaktive Plattform und einen Experimentierraum geschaffen, die man wie eine Art Medizinlabor für digitale Technologien beschreiben kann“

Einbeziehung der Nutzer

Darüber hinaus – und das ist das wirklich Besondere am „City Intelligence Lab“ – verfolgt das Labor den Ansatz einer ko-kreativen Entwicklung, dem gemeinsamen Erschaffen von neuem Wissen. „Das City Intelligence Lab vollzieht einen Paradigmenwechsel hin zur Einbeziehung der Benutzerperspektive mithilfe digitaler Technologien im Labor“, erläutert Wolfgang Hribernik, Leiter des AIT Center for Energy. Das bedeutet, dass im Labor Planer, Auftraggeber und Nutzer an interaktiven Projektionswänden und 3D-Modellen gemeinsam Projekte und Planungsszenarien ausarbeiten bzw. Änderungen an Planungen vornehmen können. Das System berechnet dann binnen kurzer Zeit, innerhalb wenigen Minuten, die Auswirkungen und stellt diese anschaulich dar. „Dies ermöglicht uns eine radikal neue Form der nahtlosen Zusammenarbeit mit unseren Kunden“, so Neubert. Man kann zu Beispiel sofort erkennen, welche Maßnahmen für bestimmte Stadtteile eine Abkühlung in der Sommerhitze bringen würden.

Zusammenarbeit via Internet

Das funktioniert auch, wenn man nicht persönlich im Labor anwesend sein kann – wie es während der Corona-Krise der Normalfall ist: „In Zeiten von erhöhter physischer Distanz können wir mit unseren Partnern an Planungsprojekten weiterarbeiten wie bisher. Unsere Kunden können über gesicherte Zugänge an der Online-Plattform teilnehmen und mit uns gemeinsam arbeiten“, so der AIT-Forscher. 3D-Modelle sowie die Ergebnisse von Projekten sind rund um die Uhr zugänglich und können mit den Projektpartnern über einen Browser weltweit ausgetauscht werden. „Die Möglichkeiten der digitalen Zusammenarbeit weit über Büro- und Landesgrenzen hinaus waren vor der Corona-Krise schon Realität, erfahren aber nun eine besondere Aufmerksamkeit und Bedeutung.“

3D-Modelle sowie die Ergebnisse von Projekten sind rund um die Uhr zugänglich und können mit den Projektpartnern über einen Browser weltweit ausgetauscht werden.

Erweiterung des Labors

Das „City Intelligence Lab“ wird laufend erweitert, auch während der Corona-Krise. „Wir konnten unsere Projekte in Zeiten von Homeoffice in hoher Intensität vorantreiben. In den letzten Wochen haben wir in einer interaktiven Online-Plattform für kollaboratives Design ein Tool für eine KI-gestützte Simulation für Windströmungen im urbanen Kontext entwickelt“, berichtet Neubert. Dadurch wird es möglich, Windströmungen innerhalb von Sekunden in die Planungen mit einzubeziehen. Das ist in Zeiten von extremen Wetterbedingungen, etwa gefährlichen Stürmen, von großer Bedeutung, aber auch zur Feinabstimmung der mikroklimatischen Bedingungen eines Viertels.

Die Erfahrungen der letzten Wochen hat in Neubert eine Überzeugung gefestigt: „Wir denken, dass mit unseren Technologien die Planungspraxis der Zukunft anders aussehen wird: Digitale Planungsmethoden, die auch online verfügbar sind, sind vom nice-to-have zum must-have geworden.“