Direkt zum Inhalt

Anode Analyzer

08.04.2026

Drehanoden sind das Herzstück moderner Röntgengeräte: Durch den Beschuss mit Elektronen wird die notwendige Röntgenstrahlung erzeugt. Bei der Nutzung entstehen auf der rotierenden Anodenoberfläche sogenannte Brennbahnen – Bereiche, in denen Aufschmelzungen, Risse und Materialablösungen die Funktion des Röntgengeräts negativ beeinträchtigen können. Sie werden üblicherweise nach Ablauf der Lebensdauer des Röntgengeräts ausgetauscht und nur in begrenztem Rahmen wiederverwendet. Meist werden sie verschrottet.

Gemeinsam mit Plansee, dem Marktführer für hochspezialisierte Produkte aus Refraktärmetallen, hat das AIT nun eine innovative Lösung für eine effizientere Nutzung entwickelt: Der „Anode-Analyzer“, der erstmals eine systematische Erfassung und Bewertung des Anodenzustands ermöglicht, kombiniert dafür hochpräzise bildgebende Verfahren, die die Oberfläche der Röntgendrehanode scannen. Die gewonnenen 2D- und 3D-Daten werden mithilfe von KI analysiert und Verschleißmerkmale dabei automatisch klassifiziert.

Diese neue Analysemethode ermöglicht es Plansee, die Einsatzfähigkeit gebrauchter Röntgendrehanoden genau zu beurteilen und auf dieser fundierten Basis über die weitere Verwendung zu entscheiden. Das spart nicht nur erhebliche Produktionskosten und Energie, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit im Betrieb von Röntgengeräten.

„Diese neue Dimension der Qualitätssicherung erlaubt uns, Kosten zu senken, die Lebensdauer unserer Produkte deutlich zu verlängern und gleichzeitig Ressourcen zu schonen“, betont Michael Mark, Leiter der Produktentwicklung bei Plansee.

Die KI-gestützte Auswertung von hochaufgelösten 2D- und 3D-Bildern macht den Verschleiß von Röntgendrehanoden sichtbar – als fundierte Basis, auf der über eine mögliche Wiederverwendung entschieden werden kann.

Für das AIT-Forscher:innen-Team, das auf hochperformante Inspektionslösungen spezialisiert ist, markiert das Projekt einen bedeutenden technologischen Meilenstein: Erstmals konnte die bewährte Inline-Computational-Imaging-(ICI-) Technologie zur schnellen und präzisen zwei- und dreidimensionalen Oberflächeninspektion erfolgreich auf rotierende metallische Objekte angewendet werden. Darüber hinaus wurde erstmals eine Inspektion umgesetzt, die Aufnahmen mit unterschiedlichen Skalen durchführt und verbindet. Ein Machine-Learning-Algorithmus stellt die ermittelten Anomalien automatisch in einer übersichtlichen Grafik als Defektkarte des untersuchten Bauteils dar. Durch zusätzliche Berechnungen auf Basis der gewonnenen Daten können bestimmte Verschleißmuster auch automatisch quantifiziert werden.

Weltweit gibt es bislang keine vergleichbare Lösung zur vollautomatischen Analyse von Drehanoden. Ein System wurde bereits im Plansee-Werk Reutte installiert und wird dort für weitere Entwicklungen und Tests eingesetzt.

Für das AIT eröffnen sich mit diesem Erfolg neue Möglichkeiten. Die hochauflösende Inspektion rotierender Objekte kann auch in anderen Industriezweigen Anwendung finden, etwa in der Medizintechnik oder der Inline-Qualitätsinspektion, wo mikroskopische Defekte großflächig detektiert und quantifiziert werden müssen.