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Mobility Observation Box

27.04.2026

Maßnahmen zur Steigerung der Verkehrssicherheit oder zur Optimierung des Verkehrsverhaltens werden häufig erst ergriffen, nachdem Unfälle bereits passiert sind. Der Hauptgrund dafür ist, dass das Unfallrisiko an spezifischen Straßenabschnitten im Voraus schwer zu quantifizieren ist. Während schwere Verkehrsunfälle statistisch gesehen relativ selten sind, treten kritische Verkehrssituationen wie Beinaheunfälle oder riskante Fahrmanöver weitaus häufiger auf und dienen als deutlicher Indikator für ein erhöhtes Unfallrisiko.

Mit der Mobility Observation Box (MOB) hat das AIT ein innovatives, videobasiertes Verkehrserfassungssystem entwickelt, das objektive Konflikt- und Verhaltensanalysen ermöglicht. Die MOB ersetzt bisherige manuelle und subjektive Erhebungen durch eine präzise, kontinuierliche Beobachtung des Verkehrsgeschehens. Automatisch klassifizierte Personen- und Fahrzeuginteraktionen lassen sich über definierte Zeiträume hinweg analysieren, ohne den Verkehrsfluss zu beeinflussen. Unter Verwendung von KI werden aus den Videodaten Trajektorien und Verkehrssicherheitsindikatoren generiert. Die Privatsphäre der Verkehrsteilnehmer:innen bleibt dabei jederzeit geschützt. Die gesamte Verarbeitung erfolgt unter strikter Einhaltung der Datenschutzvorgaben, die Bilddaten werden ausschließlich in einem abgesicherten Bereich im AIT-Netzwerk temporär gespeichert, die Sensorinformationen sind durchgehend verschlüsselt.

Die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten der MOB zeigten sich bereits in verschiedenen Projekten, u. a. auch in Kooperation mit dem ÖAMTC. So wurde das System an mehreren Schulstandorten in Österreich eingesetzt, um risikobehaftete Verkehrssituationen zu identifizieren und zu bewerten. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden mit Schulen diskutiert. Städten und Gemeinden wurden gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit vor Schulen empfohlen. Darüber hinaus wurde die MOB in Österreich, Deutschland und der Schweiz für umfassende Interaktionsanalysen mit Fokus auf E-Scooter eingesetzt. Die gewonnenen Daten fließen in Richtlinien und gesetzliche Regelungen ein, die beispielsweise im österreichischen Verkehrssicherheitsbeirat des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur diskutiert werden. Zusätzlich trägt das System zur Optimierung von Ampelschaltungen bei, indem es Verkehrsflüsse analysiert, um Staustunden und damit verbundene volkswirtschaftliche Verluste sowie Umweltbelastungen zu reduzieren.

Verkehrsforscher des AIT montieren die Mobility Observation Box, die bis zu zehn Tage lang mobil und anonymisiert hochauflösende Verkehrsdaten erfasst.

Die MOB ersetzt bisherige manuelle und subjektive Erhebungen durch eine präzise, kontinuierliche Beobachtung des Verkehrsgeschehens.

Die MOB-Technologie wurde mit mehreren internationalen Preisen ausgezeichnet – beispielweise mit dem DEKRA Award, dem Ö3-Verkehrsaward 2022 oder dem European Excellence in Road Safety Award. Neben ihrem Einsatz in der Forschung und Straßenverkehrssicherheit wird die MOB künftig verstärkt zur Analyse innerbetrieblicher Verkehrsströme genutzt, etwa zur Evaluierung des Arbeitsschutzes auf Betriebsgeländen. Eine Weiterentwicklung für den Einsatz unter schlechten Lichtverhältnissen, beispielsweise in Tunneln oder bei Nacht, ist in Planung.