Mit dem Siegeszug der digitalen Kommunikation wachsen auch die Risiken durch Hackerangriffe und Datenmissbrauch. Zusätzlich steigt die Bedrohung durch künftig verfügbare Quantencomputer, die aktuelle Verschlüsselungen potenziell brechen könnten. Eine zentrale Gegenmaßnahme ist sichere Kryptographie. Moderne Verfahren gelten zwar als praktisch unknackbar, erfordern jedoch die absolut sichere Übertragung von Schlüsseln. Hier setzt die Quantenphysik an: Mithilfe „verschränkter“ Teilchen lässt sich Kommunikation so gestalten, dass Abhörversuche sofort erkannt werden. Dass dieses physikalische Prinzip praktisch funktioniert, zeigte der Wiener Physiker Anton Zeilinger bereits vor rund 25 Jahren – wofür er 2022 den Nobelpreis erhielt.
Forschende des AIT sind seit Beginn daran beteiligt. Sie entwickeln Schlüsseltechnologien für Quantenkryptographie und koordinieren die großen wesentlichen europäischen Initiativen zum Aufbau hochsicherer Kommunikationsnetze, etwa EuroQCI (Glasfaser) und IRIS² (Satellit). Damit hat sich das AIT als zentraler Know-how-Träger und Technologielieferant sowie als Treiber einer europäischen Industrie für Quantenverschlüsselung etabliert.
Dies führte zu bedeutenden Aufträgen, unter anderem von der European Space Agency, von Industriepartnern und der Europäischen Kommission. Projekte wie „Nostradamus“, QCI-CAT oder PETRUS stärken Test-, Verifikations- und Pilotinfrastrukturen in Europa. Parallel engagiert sich das AIT im EU Quantum Flagship beim Aufbau eines Zuliefer-Ökosystems.
„Die technologische Souveränität in den Schlüsseltechnologien der Zukunft ist zuletzt besonders in den Fokus gerückt. Die Quantentechnologie ist eine dieser Schlüsseltechnologien und daher eine strategisch wichtige Technologie für Österreich und Europa.“
Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV).
In AIT-Labors werden miniaturisierte Komponenten und Systeme für die hochsichere Kommunikation entwickelt.
In Österreich wurde – unterstützt durch das Sicherheitsforschungsprogramm KIRAS – ein quantensicheres Netzwerk zwischen vier Bundesministerien in Wien sowie einer Strecke Graz–Wien demonstriert. Anwendungen wie Secret Sharing, Videochat und Backups wurden erfolgreich mit Quantum Key Distribution (QKD) abgesichert. Darüber hinaus berät das AIT die EU-Kommission strategisch, etwa bei Standardisierungsfragen, und hält rund 30 Patente in diesem Bereich.
Die Arbeiten des AIT leisten einen direkten Beitrag zur Industrialisierung moderner Verschlüsselungstechnologien „Made in EU“ und stärken die digitale Souveränität Europas. Künftig koordiniert das AIT den Ausbau von EuroQCI in Österreich und die Anbindung an Nachbarländer, errichtet eine optische Bodenstation und arbeitet eng mit Infrastrukturbetreibern zusammen. Projekte wie MOZART untersuchen zudem QKD-gesicherte Verbindungen für Behörden. Gleichzeitig treibt das AIT den Aufbau eines europäischen Zuliefer-Ökosystems für Quantenverschlüsselung weiter voran.