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Symbolfoto: Das AIT ist Österreichs größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung

Rehabilitation in EU-Forschungsprogrammen: EARTO legt Empfehlungen für FP10 vor

24.02.2026
Ein neues Positionspapier der EARTO Working Group Healthcare empfiehlt, Rehabilitation in FP10 und disease-bezogenen EU-Programmen systematisch zu verankern.

Rehabilitation entscheidet nach Krankheit oder Verletzung oft darüber, ob Menschen dauerhaft eingeschränkt bleiben oder wieder selbstständig werden. Laut WHO kann weltweit rund ein Drittel der Bevölkerung von Rehabilitationsleistungen profitieren, gleichzeitig sind Reha-Leistungen in vielen Ländern knapp finanziert und stark belastet. Ein aktuelles Positionspapier der EARTO Working Group Healthcare empfiehlt deshalb, Rehabilitation in der europäischen Forschungs- und Innovationspolitik stärker zu priorisieren, insbesondere im nächsten EU-Rahmenprogramm FP10.

Hoher Bedarf, aber geringe Sichtbarkeit in EU-Forschungsprogrammen

EARTO argumentiert, dass Rehabilitation in EU-Programmen zwar punktuell vorkommt, insgesamt jedoch nur begrenzt berücksichtigt wird. Ein Indikator: Von über 100 Horizon-Europe-Health-Calls zwischen 2021 und 2025 haben nur wenige Rehabilitation ausdrücklich adressiert. Gleichzeitig wächst der Bedarf, unter anderem durch demografische Entwicklungen, chronische Erkrankungen und bessere Überlebensraten nach schweren Diagnosen.

Der begleitende EARTO-Report benennt zudem zentrale Hürden, die Innovation und Implementierung erschweren: fragmentierte Innovationsökosysteme, geringe Interoperabilität und Systemintegration, fehlende robuste Evidenz (inklusive Kosten-Nutzen-Daten), Unsicherheiten bei Erstattung und Beschaffung sowie regulatorische Komplexität z.B. im Kontext von MDR, Datenschutz- und Cybersecurity-Anforderungen, die in der Praxis oft schwer handhabbar sind.

Rehabilitation als Standardbaustein entlang der Versorgungskette

Der Kern der EARTO-Position ist kein „Mehr an Einzelprojekten“, sondern ein Strukturprinzip: Rehabilitation soll in disease-bezogenen Programmen von Beginn an mitgeplant werden, als Teil der Versorgungskette, nicht als nachgelagerte Ergänzung. Sie sollte systematisch neben Diagnostik, Therapie, Prävention und personalisierten Ansätzen integriert werden.

Das betrifft sowohl klinische Forschung als auch die Entwicklung und Implementierung von Reha-Technologien, die in Versorgungsabläufe integrierbar, evidenzbasiert und skalierbar sein müssen. „EU-geförderte Forschung zu großen Krankheitsbildern sollte Rehabilitation von Anfang an mitdenken, als Standardbaustein entlang der Versorgungskette. Entscheidend ist, dass Lösungen evidenzbasiert sind, in bestehende Prozesse passen und in der Breite implementiert werden können.“ erklärt Dirk Holste, Chair der EARTO WG Healthcare und stellvertretender Head of Center, AIT Center for Health and Bioresources.

FP10 als Hebel für Evidenz, Implementierung und verlässliche Beschaffung

EARTO sieht im anstehenden FP10-Prozess eine konkrete Chance, Rehabilitation strategisch so zu verankern, dass Forschung nicht bei Prototypen endet. Vorgeschlagen werden unter anderem großskalige, mehrjährige und multizentrische Studien, stärkere Multi-Site-Validierung, praxistaugliche Integrations- und Trainingskonzepte sowie evidenzbasierte Leitlinien für Beschaffung und Einführung von Reha-Technologien.

Das Positionspapier formuliert dazu sechs konkrete Empfehlungen – von der Stärkung des Innovationsökosystems über proportionale Regulierung bis hin zu evidenzbasierten Beschaffungsleitlinien. Ziel ist, Innovationen evidenzbasiert in die Versorgung zu überführen.

Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten:
EARTO – European Association of Research and Technology Organisations
https://www.earto.eu/our-publications/