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29.08.2022

Wir müssen derzeit mit einer Vielzahl von Krisenerscheinungen fertig werden– von den weltpolitischen Spannungen über die Klima- und Energiekrise bis hin zu den Folgen der Pandemie. Über viele dieser aktuellen Problemfelder wurde beim Alpbach Technology Symposium 2022 diskutiert. „Wenn wir reflektieren, was uns die Experten in den vergangenen zwei Tagen sagten, dann sind sie sich insofern einig, dass wir eine gewisse Chance haben, mit den Herausforderungen fertig zu werden“, resümierte Wolfgang Knoll, wissenschaftlicher Geschäftsführer des AIT Austrian Institute of Technology. „Es herrscht Einigkeit, dass wir dafür ein tieferes wissenschaftliches Verständnis, das in neue Technologien und in Innovationen übersetzt wird, benötigen“, sagte Knoll zum Abschluss der Gespräche, die seit mehr als 30 Jahren in bewährter Weise vom AIT und ORF Radio Ö1 organisiert werden.

Bedürfnis nach persönlichem Austausch

Die mehr als 20 Plenary und Content Partner Sessions, die von 25. bis 27. August im Tiroler „Dorf der Denker“ stattfanden, stießen auf hohes Interesse der Technologie-Community. Die Diskussionen fanden denn auch in gut gefüllten Räumlichkeiten statt – fast wie vor der Corona-Krise, die in den vergangenen zwei Jahren eine virtuelle bzw. hybride Durchführung erzwang. „Es gibt ein dringendes Bedürfnis nach persönlichem Austausch. Das Alpbach Technology Symposium bringt Innovatoren zusammen, fördert den Austausch von Ideen und stimuliert den Dialog zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik“, so Knoll.

Unter reger Mitwirkung von wissenschaftlichen Partnern – der Helmholtz Gemeinschaft deutscher Forschungszentren und dem Complexity Science Hub Vienna – wurde in hochkarätigen Plenary Sessions ein breites Panorama an Herausforderungen aufgespannt, die dringend einer Lösung bedürfen. So wurden in der Session „Energy Transition: How to reduce Energy Dependency“ u. a. die Pläne von Großunternehmen wie BASF, Infineon und voestalpine zur Steigerung der Effizienz und zur Senkung der Emissionen diskutiert. Unter dem Titel „RNA-based Medicine of the Future“ legten die Leiter führender Forschungsinstitute ihre Erwartungen dar, wie neue molekularbiologische Methoden die Behandlung von Krebs oder von Autoimmunkrankheuten radikal verbessern könnten. Der Ukraine-Krieg stand im Zentrum der Session „Battleground Internet: Between Cyberwar and Infowar“, in der klar herausgearbeitet wurde, dass heutige Kriege nicht mehr ausschließlich auf dem Schlachtfeld, sondern vermehrt in der virtuellen Welt und in unseren Köpfen gewonnen oder verloren werden. Die Session „Complexity of Supply Chains: Ways into a More Resilient Future” kam zu dem Ergebnis, dass vor allem eine stärkere Transparenz wesentlich ist, damit Lieferketten in Zukunft weniger störungsanfällig werden. In einem „International Talk“ wurde thematisiert, dass Technologie heute eine bedeutsame geopolitische Kraft ist. In weiteren hochspannenden Content Sessions wurden im Detail drängende Fragen wie etwa Künstliche Intelligenz, Bioökonomie, Klima-neutrale Mobilität, Fake News oder Daten-Souveränität diskutiert.

Ein „mindset“ für radikalen Wandel

Wie entscheidend Wissenschaft, Forschung, Technologie und Innovation für die Krisenbewältigung ist, wurde auch von Seiten der Politik betont. FTI sei zwar kein Element zur akuten Krisenbewältigung, schränkte Klimaschutz- und Technologieministerin Leonore Gewessler ein. Doch: „FTI ist ein Instrument zur Bewältigung künftigen Krisen. Es ist gut, dass wir vor zehn Jahren in die Erforschung erneuerbarer Energien investiert haben. Daher haben wir jetzt Lösungen, die wir in Massenprogrammen ausrollen können.“

Im „Café Exchange“ (im heuer erstmals bespielten Alten Schulhäusl von Alpbach) demonstrierten Künstler, wie der „mindset“ für ein Leben mit Unsicherheiten und für einen radikalen Wandel verändert werden kann. Das Alpbach Technology Symposium war auch heuer wieder der Ort, an dem zahlreiche Neuigkeiten der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. So wurden beispielsweise die Zukunftspläne von „Silicon Austria Labs“ erörtert und neue Förderprogramme für radikale Innovationen und für die Datenforschung präsentiert. Dem persönlichen Gespräch dienten darüber hinaus zahlreiche Social Events, etwa das AIT Gartenfest oder der „Forschung Austria“-Empfang.

Grund zu Optimismus

Zurück in Alpbach war heuer auch die Jugend: Die Stipendiaten aus aller Welt beteiligten sich rege an den hochstehenden Debatten. Der positive „spirit“ der jungen Teilnehmer:innen war freilich nicht nur bei den angeregten Diskussionen im und außerhalb des Konferenzzentrums sichtbar, sondern insbesondere auch bei der Qualifikation für das „Falling Walls Lab“ in Berlin (in Form von Drei-Minuten-Pitches) und beim 24-Stunden-Innovationsmarathon, in dem acht internationale Student:innen-Teams Lösungen für konkrete Problemstellungen von Partnerunternehmen entwickelten. „Wenn man den jungen Menschen in Alpbach zuhört, hat man guten Grund, optimistisch für die Zukunft zu sein“, kommentierte Wolfgang Knoll.

Weitere Informationen: www.ait.ac.at/efatec

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