Eine Revolution für die Baustoffindustrie
Die Ziegelindustrie steht vor der Herausforderung, ihren hohen CO2-Ausstoß drastisch zu reduzieren, um steigenden Umweltanforderungen gerecht zu werden und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Besonders energie- und CO2-intensiv sind gasbefeuerte Hochtemperaturöfen und die prozessbedingten Emissionen, die durch chemische Reaktionen während der Produktion entstehen. Angesichts strengerer Klimaziele und steigender Energiekosten wächst der Druck auf die Industrie, nachhaltige Alternativen zu entwickeln.
Mit dem im Rahmen des Innovationsnetzwerks NEFI vom Klimaund Energiefonds geförderten Projekt GreenBricks wurde erstmals ein Konzept für eine nahezu CO2-neutrale Ziegelproduktion umgesetzt. Kern der Innovation ist die Elektrifizierung des Produktionsprozesses durch den weltweit größten rein mit Ökostrom betriebenen Tunnelofen. Ergänzend dazu kommen CO2-neutrale Tonmischungen und eine optimierte Abwärmenutzung zum Einsatz. Durch digitale Prozesssteuerung und Wärmepumpentechnologie konnte die Energieeffizienz signifikant gesteigert werden. Dadurch lassen sich die CO2-Emissionen um 90 % und der Energieverbrauch um 30 % reduzieren – ein entscheidender Vorteil für die Industrie in Zeiten volatiler Energiepreise.
Die industrielle Produktion von nahezu CO2-neutralen Ziegeln eröffnet neue Marktsegmente und ermöglicht es Herstellern, sich frühzeitig auf zukünftige Umweltauflagen vorzubereiten. Unternehmen, die auf nachhaltige Baustoffe setzen, profitieren von steigender Nachfrage und können ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern. Zusätzlich trägt die Technologie zur Qualifizierung von Fachkräften in der Industrie bei, da neue Fertigungsprozesse und digitale Steuerungssysteme integriert werden.
Die wissenschaftliche Dimension des Projekts zeigt sich in der engen Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und Industriepartnern. Bereits zwei Masterarbeiten und eine Dissertation wurden im Rahmen des GreenBricks-Projekts erfolgreich abgeschlossen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in die Weiterentwicklung nachhaltiger Produktionsmethoden ein und tragen dazu bei, innovative Lösungen für andere energieintensive Industrien zu adaptieren.
Der Erfolg des Projekts hat Signalwirkung für die gesamte Branche: Durch den praxisnahen Demonstrationsbetrieb am Wienerberger- Standort in Uttendorf wird die Skalierbarkeit des Konzepts geprüft, um es auf weitere Produktionsstätten und andere energieintensive Industriezweige wie die Feuerfestindustrie zu übertragen.


